Männer haben auch Probleme

Sacht sogar pinkstinks, und die müssen es ja wissen. Nech?

Ja, wenn jemand sich das Bein gebrochen hat und ruft, „Mein Bein ist gebrochen!“, und die Antwort ist: „Unsere auch!“, dann ist das Whataboutism. Die Diskussion ist ja nicht neu. Die meisten feministischen Personen und Organisationen sagen ja nicht nur, dass Frauen Probleme haben, sondern auch, dass Männer Schuld daran hätten, und dass es Männern generell besser ginge. Da es aber ziemlich viele Männer gibt, auf die mindestens eine der beiden letzteren Aussagen nicht zutrifft, muss man sich über Gegenrede nicht wundern.

Beschönigend könnte man an dieser Stelle festhalten, dass das irgendwie nachvollziehbar aber leider auch kontraproduktiv sei.

Beschönigend kann man entgegnen, dass jemand, der andere Ziele hat als Du, nicht „produktiv“ in Deinem Sinne sein kann. Oder, soe macht was falsch.

Also Gewalt, bei der nicht zufällig Frauen zu Opfern gemacht werden, sondern Gewalt, die Betroffenen angetan wird, gerade weil sie Frauen sind. Und zwar in den allermeisten Fällen von ihren (Ex)Partnern.

Sorry, das ist in DER Formulierung Blödsinn. Ein Homophobiker bringt bei einem Amoklauf Homosexuelle um, die er persönlich gar nicht kennt, weil sie Homosexuelle sind. Oder jedenfalls sich zufällig in einer Kneipe aufhalten, die dem Homophobiker als Homosexuellentreff bekannt ist. Das ist homophobe Gewalt. Dasselbe in einer Kneipe, die hauptsächlich von Schwarzen besucht wird, ist Rassismus. Dasselbe in einer Moschee ist Islamfeindlichkeit. Dasselbe in einer Synagoge ist Antisemitismus. Merkt man was? Ok. Wenn ein Frauenhasser eine Reihe von Frauen wahllos tötet, ist das frauenfeindliche Gewalt. Wenn ein Mann seine Expartnerin tötet, und ihren neuen Freund, und ihr Kind, und ihren Vater, und ihre Mutter, und ihren Bruder, ist das keine frauenfeindliche Gewalt mehr. Außer in demm Sinne, dass die Frauen unter solchen Attacken am meisten leiden, weil sie nicht bloß sterben, sondern auch ihre Kinder, Eltern, Geschwister und Partner verlieren. Klar hasst der Mann seine Expartnerin, deren neuen Freund, deren Familie und das gemeinsame Kind, man kann daraus aber nicht herleiten, dass er Frauen allgemein hasst; da er einerseits nicht wahllos tötet, andererseits auch nicht-weibliche Personen, und außerdem ein personenbezogenes Mordmotiv (Ich behaupte übrigens nicht, dass eines davon besser ist als das andere). Von „Femizid“ selbst dann zu reden, wenn nur ein Drittel der Opfer Frauen sind, hieße außerdem, dass Frauen doppelt so wichtig seien wie andere Menschen, was offensichtlich sexistisch ist. Wobei es natürlich Frauenhasser gibt, die Frauen töten, weil sie alle Frauen hassen, und nicht nur eine, aber – wenn man nicht „kontraproduktiv“ sein will – sollte man das vllt. etwas schärfer trennen. Oder überhaupt trennen. Nebenbei gibt es viele Männer, die Gewalt, auch tödliche Gewalt, gegen Männer u.U. für entschuldbar, legitim oder gar gefordert halten, aber niemals gegen Frauen. Wenn einer von diesen Männern einen anderen Mann tötet, könnte man sagen, dass dieser Mann nur getötet wurde, weil er keine Frau ist? Also, WEIL er ein Mann ist? Falls ja, wäre das ein Virozid? („Viren sind keine Lebewesen!“ – „Ja, und?“) Mal unterstellt, dass pinkstinks nicht so denkt, ist es aber trotzdem einfach nicht redlich argumentiert zu sagen, dass ein Mord an einer Frau auch dann aus Frauenhass resultiert, wenn es sehr offensichtlich persönliche Gründe gab und ebenso offensichtlich nicht-weibliche Opfer. Nebenbei, wieso bin „ich“ als Person oder „wir“ als Gesellschaft für Morde verantwortlich? Morde, die „wir“ nicht begangen haben, die „wir“ entsetzlich finden, und die „wir“, vertreten durch unsere Legislative, Exekutive und Jurisdiktion, hart ahnden, wohlgemerkt? Wenn der Mörder im Halteverbot parkt, zahle ich das Knöllchen ja auch nicht.

Und die zweite Variante tut so, als bestünde überhaupt keine Möglichkeit, für Männer und ihre Probleme Partei zu ergreifen.

Keine Möglichkeit“ stimmt nicht. Diese Möglichkeiten werden allerdings nicht annähernd so gut von staatlicher Seite oder den Medien unterstützt wie die zur Unterstützung von Frauen; so zu tun, als wäre das anders, ist naja; „Klappern gehört zum Handwerk“, um es mal positiv zu formulieren.

Es gibt tatsächlich zahlreiche Probleme, die Jungen und Männer betreffen und die dringend angegangen werden sollten. Sie verdienen eine Anwaltschaft, die sich um ihre Belange kümmert, ohne sie kleinzureden oder abzuwerten.

Stimmt, das Kleinreden und Abwerten machen ja schon die diversen(m/w/d/j) Feminismen; „den“ Feminismus gibt’s ja nicht, aber die allermeisten Feminismen sind da gut mit dabei.

Vielmehr werden beiden Problemfelder so der Lächerlichkeit preisgegeben und verharmlost. In Bezug auf Gewalt gegen Frauen heißt das, dass sie zum Anlass degradiert wird, „auch mal was gegen die richtigen Probleme zu sagen“. Und die Gewalt gegen Männer wird ihrer Ernsthaftigkeit beraubt, weil es als Thema lediglich dazu benutzt wird, um anderen über den Mund zu fahren.

Die Gewalt gegen Männer wird hauptsächlich dadurch ihrer Ernsthaftigkeit beraubt, dass es über 400 Frauenhäuser, aber nur 2 7 Männerhäuser und -wohnungen in D. gibt. (Änderung 4.12.19: es gibt tatsächlich mehr Schutzwohnungen, die fünf zusätzlichen Wohnungen bieten anscheinend Plätze im gaaanz, ganz niedrigen zweistelligen Bereich. Also, zehn bestimmt. Plus Kinder. Ich will mich ja nicht beschweren, aber man vergebe mir, dass ich nicht in Extase verfalle. Dafür ist der Bedarf an Frauenhäusern zurückgegangen, so dass es nur noch 350+ gibt. Ok, der Anteil der Männerhäuser an den Schutzhäusern insgesamt liegt bei knapp 2%. Es gibt aber anteilig deutlich mehr männliche Opfer häuslicher Gewalt als 2 %.(Ergänzung zur Ergänzung – offenbar ist auch niemand auf die Idee gekommen, die frei werdenden Frauenhäuser einfach in Männerhäuser umzuwidmen. Ok, ist mir auch erst beim dritten Nachdenken passiert, aber bin ich denn der oder die einzige, die oder der dreimal über was nachdenkt?))

Aber das ist eigentlich nicht mein Punkt. Mein Punkt ist:

„Warum erwartet und fordert IHR (als Individuen und als Gruppierung innerhalb „eines“ Feminismus), dass Männer sich wegen der Probleme von Frauen engagieren, wenn IHR gleichzeitig sagt, dass Männer sich um Probleme von Männern alleine kümmern sollen?“

Und ernst ist das Thema in jedem Fall. Die meisten Opfer von sexualisierter Gewalt durch Würden- und Funktionsträger der katholischen Kirche sind männlich.

Tja, what about Whataboutismus? Jemand pickt sich da das heraus, wo es am wenigsten Täterinnen gibt.

Wer oder was sollte Männer davon abhalten, sich zu organisieren und eigene Interessen zu formulieren?

Feministen(m/w/d) allgemein? Der Vorstoß, rein männlichen Vereinen die Gemeinnützigkeit zu entziehen? Und der Umstand, dass eine Männerinteressen-Organistation, die Männer gründen, nicht ganz dasselbe ist wie eine Fraueninteressen-Organisation, die der Staat, vertreten durch die jeweiligen Ministerien, gegründet hat, um erstmal drei Antworten zu geben? Nebenbei, lassen Sie sich diese Frage mal von den Feministen(m/w/d) beantworten, die die Meinung vertreten, es gäbe nicht nur keinen Sexismus gegen Männer, sondern dieser wäre sogar unmöglich. Ach, das ist nicht IHR Feminismus? Nun, und mein Maskulismus besteht nicht im Trollen. Obwohl Sie genau das suggerieren.

Sie stecken fest in einer Welt, die anhand von Studien darüber, dass Männer sich „nervös, ruhelos, traurig und wertlos“ fühlen, wenn sie nicht die Hauptverdiener sind, ohne mit der Wimper zu zucken, Frauen zum Problem erklärt.

  1. Das hat eine Frau erklärt. Nicht die ganze Welt. 
  2. Das hat eine Frau erklärt. Nicht ein Mann.
  3. „Interestingly, the relationship between wife’s relative income and husband’s psychological distress is not found among couples where wives outearned husbands at the beginning of their marriage pointing to importance of marital selection.“ Wenn die Frau schon zu Beginn der Ehe mehr verdient als ihr Gatte, gibt es keinen Stress, weil beide diesbezüglich zufrieden waren. Nebenbei, meine Speku, das könnte in einigen Fällen auch abbilden, dass der Mann nicht den Job bekommen hat, den er immer wollte, und deshalb Stress hat. Oder, dass er nicht den Job bekommen hat, den die Frau wollte, dass er ihn kriegt, und sie lässt ihn das spüren. Wenn wir schon Klischees streicheln.
  4. Ein Artikel in einer Zeitung über eine Studie in einem anderen Land ist nichts, worin ich „feststecke“.

Anstatt vielleicht mal die Machtfrage zu stellen oder sich auch nur vorsichtig zu erkundigen, warum Männer trotz strukturellem Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft immer noch den Eindruck haben, die Rolle des Ernährers und Hauptverdieners ausfüllen zu müssen.

Weil vielen (Ehe)Frauen das so gefällt, vllt.? Nur so als Theorie und so. Aber gut. Wenn Männer nicht „Ernährer und Hauptverdiener“ sein müssen, dann können Frauen ihre Gehaltsverhandlungen auch alleine führen.

Aber eben nicht als Überbrüllungsmaßnahme gegen Anliegen von Frauen wie beispielsweise das, gerecht bezahlt zu werden.

Ach, der GPG. Dass „Ihr“ da „überbrüllt“ werdet, liegt zu nicht unerheblichen Teilen daran, dass „Ihr“ da nicht sauber und offen, sondern ziemlich unehrlich und unaufrichtig argumentiert. Womit habt „Ihr“ denn dann „unsere“ Solidarität verdient? Streikt „Ihr“ für „unsere“ Löhne? Streikt „Ihr“ für mehr Männerhäuser? Machen „Sie“ was gegen Arbeitsunfälle?

Sondern als legitime Interessenvertretung, die sich an anderer Stelle nicht zu fein dafür ist, sich solidarisch mit anderen Interessen zu zeigen.

Joah, so eine Interessenvertretung ist für die eigenen Interessen da, sonst wäre es keine Interessenvertretung.

Und die sich eben nicht dadurch selbst beschädigt, dass sie ausgerechnet dann besonders laut auf sich aufmerksam macht, wenn es um andere Rechte als die eigenen geht.

„Eure“ Rechte sind dieselben wie „unseren“, z.B. das auf Leben.

Aber eine Interessenvertretung von Frauen, die, falls der hypothetische Ex meiner hypothetischen Freundin besagte Freundin und mich hypothetischerweise erschießen sollte, fordert, dass meine Ermordung „Femizid“ genannt werden soll, weil offenbar mein Tod „dem“ Feminismus nicht so wichtig ist wie der einer Frau und und daher „unsichtbar“ gemacht werden soll, kennt sich offenbar damit aus, sich selbst zu beschädigen.

14 Gedanken zu “Männer haben auch Probleme

  1. Gut finde ich auch dieses „jetzt gehe es nun mal um Frauen“. Ja, jetzt und davor und davor auch und die anderen 50 mal davor ebenso.
    Deswegen wird das Thema Gewalt oder Diskriminierung gegen Männer regelmäßig in den Kommentaren und Antworten angesprochen, weil diese Feministen, die von sich behaupten Kämpfer für Gleichberechtigung zu sein, sich nur um Probleme von Frauen kümmern und wenn sie mal Männer thematisieren, ihnen immer erstmal eine Schuld einreden wollen, was dann keine Hilfe mehr ist.

    Anstatt vielleicht mal die Machtfrage zu stellen oder sich auch nur vorsichtig zu erkundigen, warum Männer trotz strukturellem Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft immer noch den Eindruck haben, die Rolle des Ernährers und Hauptverdieners ausfüllen zu müssen.

    Ja, warum nur denken Männer das? Frauen haben damit bestimmt gar nix zu tun!

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      1. Um das klarzustellen, ich erwarte nichts von Ihnen, sonst drehen Sie das vielleicht noch so, dass Forderungen an Sie gestellt würden.
        Ich fand es bei dem Fall auffällig, dass die beiden Ehefrauen nicht verletzt wurden. Das wissen wir zumindest schonmal sicher. Mit Blick auf die Statistik (das Männer häufiger Opfer von Gewalttaten werden), könnte man annehmen, dass dies kein Zufall war.
        Böte das nicht Stoff für eine gesellschaftskritische Analyse und/oder Überlegungen, wie die Zahl straffällig gewordener männlicher Jugendlicher reduziert werden könnte?

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    1. Aber warum werden sie häufiger Opfer?
      Hier zeigt sich doch in der Statistik ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern, der sich negativ auf die Lebensqualität von Männern auswirkt, z. B. weil es demzufolge auch mehr Männer geben muss, die mit den lebenslangen Folgen dieser Gewalttaten leben müssen.

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      1. Wenn ich spekulieren darf? Jungen wird beigebracht, dass man keine Mädchen schlägt. Dies könnte sich auch auf Erwachsene übertragen. Ergo werden Frauen seltener Gewaltopfer als Männer.

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      1. Anscheinend wird das noch viel zu wenig gemacht. Wenn niemand geschlagen würde, wäre es egal, wessen Schlagen als verwerflicher gilt.

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  2. Sind Sie sich dessen bewusst, dass es einen riesengroßen Unterschied macht, ob man es als Problem empfindet, dass das Schlagen von Mädchen als verwerflicher gilt oder ob dass Problem ist, dass das Schlagen von Jungen weniger verwerflich ist? Im ersten Fall ist man dafür, dass mehr Mädchen geschlagen werden, im zweiten Fall hingegen dafür, dass weniger Jungen geschlagen werden.

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    1. Wegen meiner müsste überhaupt niemand geschlagen werden; ich stelle aber fest, dass sehr viele Menschen Gewalt gegen Frauen für verwerflicher halten als gegen Männer. Dies kann – wobei ich das jetzt nicht weiß, wie gesagt – auch bei dem Fall in Augsburg so gewesen sein. Also bin ich dafür, dass man Gewalt gegen Männer genauso ächten sollte wie die gegen Frauen. Ich glaube, dass kann man daran erkennen, wie ich reagiere, wenn Gewalt gegen Männer verharmlost oder relativiert wird.
      Und ich „empfinde“ es nicht als Problem, ich betrachte es als empirisch feststellbare Tatsache, dass das ein Problem ist.

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      1. Volle Zustimmung – deswegen habe ich auch nur eines der beiden Probleme als „empfunden“ bezeichnet. Schauen Sie doch nochmal hin, welches das war.

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