Traummannschaft

 

Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde eine Star-Trek-Manschaft so aussehen (hundert Jahre nach Nemesis, die Enterprise-F):

  • Kommandierender Offizier (KO): Nilam Draupadi Sharma. Kommt aus der Centauri-Kolonie. Ist hochintelligent, vielseitig begabt und hatte in allen Schulfächern Einsen außer Musik. Als sie mit 18 erfahren hatte, dass ihre Eltern sie illegalerweise genetisch optimiert hatten, kühlte ihr Verhältnis zu ihnen merklich ab, dafür wurde sie deutlich geduldiger mit den Schwächen anderer Leute. Erst schämte sie sich ihrer „unfairen Vorteile“, wie sie es nennt, aber man überredete sie, der Sternenflotte beizutreten, um mit ihren Fähigkeiten (über die das Drehbuchteam sich nie einig ist) der Gesellschaft beizutragen. Sie ist der erste indischstämmige Sternenflottencaptain, der eine wichtige Rolle hat. Außerdem ist sie die einzige Bisexuelle bisher, die andere intelligente Lebenformen nicht mit Verachtung und Orbitalbombardierungen behandelt. Wobei, wenn ihre Geduld mal zu Ende geht, kann sie sehr verletzend werden, was ihr ihre letzten drei (von drei) Beziehungen gekostet hat. Zitat: „Ich wurde befördert, weil ich besser bin. Also sind meine Untergebenen nicht so gut. Also werde ich meine Ungeduld zähmen und langsam und freundlich und ganz genau nochmals sagen: ‚EnerGIEEEE!'“
  • Erster Offizier (XO): NoH, (gespr.: Noch) Sohn des DoH, ein Klingone. Zur Handlungszeit gibt es überall in der Föderation Klingonische Siedlungen (manche sagen auch: „Ghettos“), und NoH kommt aus einer von ihnen. Er hat wenig Sympathie für das klingonische Reich, das seine Eltern wegen politischer Differenzen verlassen mussten, aber er ist schon stolz auf seine Abstammung und wird regelmäßig sauer, wenn man seinen Namen falsch schreibt oder ausspricht. Ansonsten ist er nicht Worf 2.0, sondern recht humorvoll. Zum Beispiel: „Als Klingone muss man in der Föderation mindestens doppelt so gut sein wie die Konkurrenz, um weiterzukommen. Zum Glück bin ich dreimal so gut.“ Wegen seiner Diskriminierungserfahrungen ist er bei fremden Kulturen immer am ehesten bereit, guten Willen und Vertrauensvorschuss zu zeigen; er hat aber wenig Probleme damit, militärische Mittel einzusetzen, wenn’s die anderen unbedingt wissen wollen.
  • Leitender Wissenschaftlicher Offizier (LWO): Delia Mykenna, eine Deltanerin. Zölibatseid und so. Sie ist – nicht nur für Deltaner – sehr reserviert. Gelegentlich wirft sie Libidoblocker ein, was in mindestens einer Folge ein Problem, in mindestens einer anderen Folge aber die Rettung darstellt. Sie zankt sich häufiger mit NoH wegen Kleinigkeiten, u.a. seiner Liebe zu Fleisch – zu grausam – Football – zu brutal – und Shakespeare – zu blutig. Er wiederum macht sich gelegentlich über ihre „Steifigkeit“ lustig; nur, weil man im Zölibat lebt, müsse man nicht auf jeden Spaß verzichten. Das wird nicht das Vorgeplänkel für eine Liebesgeschichte, versprochen! Sie mag Fleischesser wirklich nicht, und ihn stört nicht nur ihre glatte Stirn, sondern, dass diese auch noch bis zum Hinterkopf reicht. Sie ist am häufigsten bei Außeneinsätzen, um die sensiblen Einheimischen nicht zu verschrecken. Tatsächlich schafft sie es von der ganzen Führungscrew, bei Außenmissionen in die wenigsten Fettnäpfchen zu treten, sofern man ihr kein Betthäschen(m/w/d) anbietet. „Ich steh‘ halt nicht auf Tentakel, sorry!“
  • Chefingenieur (CI): T’Fix, eine Vulkanierin. Gedankenverschmelzung mit Lebewesen gefällt ihr gar nicht, aber dafür kann sie sich gut mit Maschinen verschmelzen. Im Unterschied zu ähnlichen Figuren gibt sie ständig irgendwelche Metaphern und Redensarten von sich, die sie aus dem großen Fundus ihres Verlobten (s.u.) hat. Wenn man sie fragt, was sie damit meint, referiert sie Herkunft und Bedeutung der Redensart. Wenn man dann immer noch wissen will, wieso sie solche Redensarten zitiert, antwortet sie regelmäßig: „Es ist logisch, sich dem sozialen Umfeld anzupassen.“ Die Mannschaften, die mit ihr zusammenarbeiten, achten sehr auf präzise Sprache.
  • Leitender Medizinischer Offizier (LMO): Derf ips Liph, ein Tellarit. Er „leidet“ an Polydaktylie, d.h., er hat vier Finger (einschließlich Daumen) an jeder Hand, statt der üblichen drei. Er ist, wie für Tellariten üblich, recht grob und streitlustig, aber sehr freundlich zu Patienten und sehr höflich zu Tenk, dem gegenüber er gewisse Vorurteile hat. Der das aber gut wegsteckt. Die besten Diskussionen hat er mit T’Fix, die sich rein gar nicht provozieren lässt, und mit NoH, der immer gut dagegenhält. Zitat: „Um als Tellarit in der Sternenflotte weiterzukommen, muss man viermal so gut sein wie die Konkurrenz. Leider bin nur dreimal so gut, also diene ich auf der Enterprise.“
  • Sicherheitschef (SC): Tenk, ein Andorianer. Weil er mütterlicherseits ein Aenar ist, kann er kaum sehen und trägt einen Visor (wie LaForge), was ihn insektenähnlicher macht als andere Andorianer. Dafür hat er empathische Fähigkeiten (wie Troy), die zwar nicht bei Maschinen und Ferengi funktionieren, aber dafür auch bei den meisten komplexeren Tieren. Tiere haben auch Gefühle. Seine künstlichen, natürlichen und übernatürlichen Sinne machen ihn zum idealen Sicherheitschef. Außerdem ist er stark genug, um NoHs Sparringspartner zu sein, der sein bester Freund ist. Ansonsten bleibt er oft sehr für sich. Andorianer haben eine eigene Flotte, aber er ist bei der Sternenflotte, weil er eine Ehe mit drei Frauen eingegangen ist (normal sind zwei Männer und zwei Frauen), was zwar nicht verboten, aber in gewissen andorianischen Kreisen sehr verpönt ist. Inzwischen ist er geschieden und wird bei den Andorianern als „komisch“ gehandelt. Offenbar ist er die Identifikationsfigur für solche Leute, die alternative Formen des Zusammenlebens ausprobieren wollen. Zitat: „Nur weil ich Ihre Gefühle wahrnehmen kann, heißt das nicht, dass sie mich auch interessieren.“
  • Taktischer Offizier (TO): Julia Ramirez. Gesprochen Chulia, nicht Djulia. Sie ist die Tochter eines berühmten Diplomatenpaares und hat aus reinem Trotz eine militärische Laufbahn eingeschlagen. Es stellte sich heraus, dass sie hervorragende Talente darin hat, Raumschlachten zu gewinnen. Sie ist zwar 1,65 m bei 55 kg Körpermasse, aber wenn der Gegner sich bis zu ihrer Konsole durchgekämpft hat, ist’s eh‘ zu spät. Sie ist allerdings nicht aggressiv, sondern sehr idealistisch und ziemlich bürokratisch. Was ganz nett ist bei jemanden, der ganze Kontinente mit ein paar Touch-Pad-Swipes planieren kann. Zitat: „Leute, die sich viermal haben scheiden lassen, um mich mit insgesamt FÜNF Stiefeltern zu versorgen, sollen mir bitte nichts von ‚friedlicher Koexistenz‘ erzählen. Und den Romulanern erst recht nicht.“
  • Steuermann (CONN): Aladin Lotostau Schmidt. Seine sechs Eltern leben in einer Kolonie von Amish-Hippies. Dort glaubt man an Liebe und Friede und daran, keine Technik zu verwenden, die Menschen nach dem 21. Jahrhundert eingeführt haben. Er kam zur Sternenflotte, weil ihm seine Heimat zu spießig ist. Er liebt das Weltall wie sonst keiner. Zitat (frei nach Ptolemäus): „Ich weiß, dass ich sterblich bin und meine Tage begrenzt, aber wenn ich im Geiste den Pfaden der Gestirne folge, berühren meine Beine nicht mehr den Boden; am Tisch der Götter sitze ich, und labe mich am himmlischen Nektar und Ambrosia.“
  • Operationsleitungsoffizier (OPS): Maria Mey, ein Cyborg. Durch einen Absturz wurden große Teile ihres Körpers durch Prothesen ersetzt werden. Die sichtbaren Teile ihrer Haut sind reine Holos, welche beliebig programmierbar sind. Was ganz praktisch ist, wenn sie sich auf Außenmissionen tarnen will. Die Schiffssysteme steuert sie, indem sie sich einfach drahtlos mit ihnen verbindet. Es wird überhaupt nie die Frage gestellt, ob sie ein Mensch ist, weil sie sonst ihren körpereigenen Phaser einsetzt. Zitat: „Eine wirklich offene und aufgeklärte Gesellschaft wird mich akzeptieren, wie ich bin. O-DER?“
  • Kommunikationsoffizier (COM): Heina Lwona, eine Betazoide. Er hat die interessante Fähigkeit, die Gedanken anderer Leute lesen zu können, wenn sie diese aussprechen (oder per Zeichensprache, Farbmuster oder Ausdruckstanz vermitteln). Das ermöglicht ihm, praktisch alles zu verstehen, was ihm in irgendeiner Sprache gesagt wird. Er kann aber keine Gedanken lesen, die nicht ausgesprochen werden. Einschränkungen wie Maschinen und Ferengi gelten auch für ihn, zusätzlich kann er auch kein Audioaufzeichnungen, Geschriebenes (außer, es wird zeitgleich geschrieben) oder auswendig Gelerntes, was der Sprecher selbst nicht versteht. Weiterhin, nur weil er eine Sprache versteht, kann er sie nicht direkt sprechen, auch wenn er schnell Grundwörter wie Ja, Nein und Hilfe lernt. Er kann immerhin mit Telepathen kommunizieren. Außerdem ist er quasi immer in telepathischen Kontakt mit seiner Verlobten, T’Fix. Das ist aber nur ein Grund, weshalb die zwei verlobt sind. Sie haben ein gemeinsames Interesse für antike Kulturen und Philosophien, außerdem musizieren sie gerne gemeinsam. Er ist deutlich besser als T’Fix (oder die meisten anderen Offiziere), sich in andere Leute hineinzuversetzen, aber er ist kein Empath, weshalb er tatsächlich belogen werden kann. Er ist deshalb aber nicht besonders misstrauisch, dafür ist ja Tenk da. Zitat: „Glück ist kein Gefühl. Glück ist ein Zustand. Deshalb können T’Fix und ich zusammen glücklich sein.“
  • Counsellor (CO); Pfrx, eine Ammoniak-Anemone. Sieht wie eine See-Anemone mit drei Füßen und einen Augenring um den „Bauch“ aus, nur dass sie 2,5 Meter hoch ist und in eine Ammoniak-Atmosphäre leben muss. Pfrx‘ Patienten kommen in den mit Standard-Atmosphäre gefüllten Nachbarraum, und die Ammoniak-Anemone nimmt telepathisch Kontakt auf, in Form eine Halluzination, bei der man die vertrauteste oder angenehmste Umgebung war nimmt. Und kein 2,5-m-Monster mit Tentakeln, dessen Vorfahren mit genau DIESER Methode zum wichtigsten (Land)Raubtier ihres Planeten wurden. Zitat: „Ich kann Ihre Gefühle nicht nur wahrnehmen, sie interessieren mich auch. Außerdem hält mich der ständige Input davon ab, in Winterstarre zu fallen.“
  • Chefjurist (CJ): Modell 23b. Ein toasterförmiger Kasten auf Rädern. Die Positronik-Technologie hat seit Datas Zeiten Fortschritte gemacht, die die Räderkästen gelten als vollwertige Föderationsbürger. Sie beschäftigen sich mit Dingen, die andere für zu langweilig oder kompliziert halten, traditionell: Jura. Seit dem Gacrux-Zwischenfall (es wird nie erklärt werden, was der Gacrux-Zwischenfall war) gibt es die Sternenflottenvorschrift, einen Juristen an Bord zu haben. Modell 23b hat keinerlei Gefühle, dafür aber viel Geduld und ist der ruhende Pol der Stammbesatzung. Zitat: „Genau wegen diesem Vorgehen wurde die Besatzung der USS Argo unehrenhaft entlassen; bei Sternzeit…“
  • Medizinischer Offizier (MO): „Nurse“ Xinn. Wechselt alle paar Wochen das Geschlecht. Hat Fell und drei Arme. Ist definitiv NICHT von der „Splitter im Auge Gottes“ geklaut. Erzählt im Unterschied zu anderen Sternenflottenpersonal ständig von ioser Familie. Zitat: „Die Freundin von der Mutter von einer Schulfreundin von einer Tochter von einer Cousine von mir musste auch intravenös ernährt werden.“
  • Master Chief Petty Officer (MCPO): ein Tos, eine wandernde Pflanze. Das Tos hat keinen Namen, wird daher nur MCPO genannt, diskutiert nicht darüber, welches Geschlecht es hat – großes Tabu in der Tos-Kultur – und macht auch nicht viel mehr, als auf den Knopf zu drücken, wenn jemand gebeamt wird. Unverzichtlich. Ungefähr wie der Hausmeister in Futurama. Zitat: „Wird gemacht.“
  • Fähnriche: Daila, eine Orionerin. Als rauskam, dass eigentlich Orionerinnen ihre Männer unterdrücken statt umgekehrt, mussten die sich neue Arbeitsfelder suchen. Nikki, eine Ferengi. Dailas beste Freundin. Träumt von einem kommunistischen Paradies und musste daher ins Föderationsexil. Mohammed Lee, ein Moslem chinesischer Abstammung. Hat ansonsten keinerlei interessanten Fähigkeiten oder Charaktereigenschaften und ist daher die ideale Identifikationsfigur für das Mainstreampublikum. Und Kim, irgendein Quoten-Cardassianer*in, weil aus Feinden Freunde werden.

So sieht eine interessante „Mann“schaft aus, die trotzdem keine Gruppe unterrepräsentiert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s