Die brutale Welt der Kinderbuchkritik

Bei pink stinks. Allmählich habe ich den Eindruck, die wissen gar nicht, was Ironie überhaupt ist. Oder Sarkasmus. Oder Satire. Spoiler: die müssen nicht lustig sein.

Aber ok, der Regenbogenfisch. Eine schon ziemlich sarkstische Kabarettistin macht sich über das Buch „Der Regenbogenfisch“ lustig. Worin sie ein Beispiel für „Konformitätsdruck“ sieht. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie dem Autoren unterstellt, die Botschaft erzählen zu wollen. Das bedeutet (hoffentlich) auch nicht, dass sie denkt, dass das die einzige oder „wahre“ Bedeutung ist, denn gute Literatur – und warum sollte ein Kinderbuch schlechte Literatur sein? – hat mehr als eine Bedeutungsschicht.

Und es gibt tatsächlich auch noch die Möglichkeit, Humor dadurch zu generieren, indem man Literatur die abwegigsten und bizarrsten Bedeutungen zuschreibt, und sei es nur, um seriöse Literaturkritik zu persiflieren. (Ich denke nicht, dass das hier der Fall ist, aber dass die Möglichkeit nicht in Erwägung gezogen wird, impliziert, dass entweder Lisa Eckharts Interpretation nicht abwegig und bizarr genug dafür ist, oder Nils Pickert hat keine Ahnung. Oder streicht das „entweder“.)

Dass der Regenbogenfisch tatsächlich eitel ist, und nicht nur, wie Frau Eckhart andeutet, für eitel gehalten wird, steht so im Text. Aber diese Stelle:

„Schenkst Du mir eine Glitzerschuppe, Regenbogenfisch?“ – „Wo denkst Du hin? Die gehören mir!“ Erschrocken schwimmen die Fische davon. Mit dem wollten sie nichts mehr zu tun haben.

Übertragen aufs richtige Leben: „Darf ich Deine Haare anfassen?“ – „Nein, verdammt!“ Bzw., das ist noch harmlos.

„Reißt Du Dir ein Haar für mich aus?“ – „Hast Du sie noch alle, Idiot?“ – Nein, das ist immer noch zu harmlos.

„Reißt Du Dir einen Fingernagel für mich aus?“ – „Ähh, nein?“ Erschrocken liefen die anderen Kinder weg. Mit dem unsympathischen Egoisten wollten sie nichts mehr zu tun haben. – Genau.

Ich stelle fest, dass der kleine Fisch NICHT mit dem Regenbogenfisch spielen wollte, sondern was von dessen Schönheit abhaben.

Am Ende merkt der Regenbogenfisch, dass er alleine doch nicht glücklich ist, und reißt sich seine Schuppen doch aus, um sie den anderen zu schenken.

  • Moral: Wenn Du denkst, dass Du ohne soziale Kontakte klarkommst, weil Du was besonderes bist, stimmt das leider nicht. (Du bist vllt. tatsächlich was besonderes, aber, leider, das nützt Dir nix.)
  • oder: Wenn Du etwas hast, was andere wollen, kannst Du soziale Kontakte mit „Geschenken“ erkaufen. Es ist kein Geschenk mehr, wenn Du was dafür kriegst.
  • oder: Wenn jemand an Dir interessiert ist, liegt das an Deinem Äußeren.
  • oder: Wenn jemand an Dir interessiert ist, will soe irgendetwas von Dir.
  • oder: Wenn Du Dich nicht so verzweifelt nach Gesellschaft sehntest, könntest Du so bleiben, wie Du bist.
  • oder, wenn man sich lieber mit den anderen Fischen identifiziert: Ihr könnt Leute mit sozialer Vernachlässigung erpressen.
  • oder: es ist ok und gar nicht übergriffig, Haut und Haare anderer Leute anzufassen, wenn die eine schönere Farbe haben als die eigene.

Lauter bitter-düstere Lehren, die ich daraus ziehen kann.

Und „Konformitätsdruck“ ist da gar nicht bei.

Aber ja, dass man Konformitätsdruck in einem Kinderbuch sieht, hat bestimmt irgendwas mit Dieter Nuhr zu tun.

Ein Gedanke zu “Die brutale Welt der Kinderbuchkritik

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