Prequelitis

Allgemein gesprochen, wenn ein sehr erfolgreicher Film, oder auch ein Buch, ein Computerspiel oder wasauchimmer eine Fortsetzung erhält, die ursprünglich nicht geplant war, ist diese klischeemäßig oft eine Enttäuschung. Allerdings, wie das mit Klischees so ist, Fortsetzungen können gut sein. So gut wie der erste Teil, oder sogar besser. „Der Zorn des Khan“ z.B.. Und wenn jetzt jemand sagt: „Ja klar, dann war der erste Teil nur so lala.“ Nein. „Terminator 2“. Und „Das Imperium schlägt zurück“.  Und… ach, das sollte reichen.

Prequels, andererseits, also Filme, Bücher etc., die explizit die VOR-Geschichte von irgendwas erklären, haben es noch schwerer, gut zu sein. Gründe dafür sind (formuliert für Filme, aber Serien, Bücher, Computerspiele etc. sind mitgemeint):

  • der Konflikt der Prequel ist im Primärfilm schon gelöst, also weiß das Publikum, dass der Konflikt gelöst werden wird, und zum Teil auch wie
  • der Konflikt der Prequel wird sowieso erst im Primärfilm gelöst
  • wenn Charaktere aus dem Primärfilm auftauchen, weiß man, dass die überleben werden
  • wenn neue Charaktere auftauchen, kann man sich denken, dass diese noch sterben
  • wenn die Prequel Rätsel oder jedenfalls offene Fragen aus dem Primärfilm erklärt, sind diese Erklärungen oft nicht so interessant wie die, die sich die Fans gedacht haben
  • wenn gar keine Rätsel oder Fragen beantwortet werden, ist die Prequel etwas sinnlos
  • wenn Rätsel oder Fragen beantwortet werden, die niemand hatte, auch
  • oder, der Primärfilm hat gar keine Fans

Beispiele? Dune-Prequels. Star-Wars-Prequels. Alien-Prequels. Und die Sache mit Star Trek.

Bei einigen dieser Beispiele mag man einwenden, dass die Macher der Prequels nicht die der Primärgeschichten sind, bei anderen aber nicht; insbesondere bei den Alien-Prequeln hatte Scott anscheinend völlig andere Ansichten, worum es gehen würde, als ich zum Beispiel. Nach Prometheus dachte ich nur: „Ohkeeee…“ Neben der Frage, ob das Thema verfehlt wurde oder nicht, war die Story relativ dämlich. Die Leute im Alien, also dem Primärfilm, waren keine ausgebildeten Wissenschaftler, aber der eine bastelt sich mal eben einen Bewegungsdetektor. Schlau. In Prometheus sind die so unnötig doof. Bzw., wenn die sich etwas schlauer verhalten hätten, aber ihre Widrigkeiten etwas größer, wäre genau dasselbe passiert, aber ohne dass man „Selber schuld!“ denkt.

Und dann kommt die Prequel-Sequel, und dann geht es in eine NOCH andere Richtung als man (ok, ich) nach Prometheus gedacht hätte, und ich dann nur noch: „Whot the frell!“ Ich bin vllt. vom Raumschiff Enterprise verwöhnt, wo alle kompetente Mitarbeiter sind, aber echtmal. Dumme Teenies, die in irgendwelchen Horrorfilmen ins Verderben laufen, weil sie zu betrunken und bekifft sind und nicht mit jedem Scheiß zu ihren Eltern laufen, weil die als erstes fragen würden, warum besagte Teenies nachts nur teilweise bekleidet durch den Wald gerannt sind, und außerdem betrunken und bekifft sind, gehen ja noch, aber hallo?

Ok, eine idiotische Handlung, die nur funktioniert, weil sich die Leute idiotisch verhalten, sind kein Alleinstellungsmerkmal von Prequeln.

Ich bin jetzt nicht prinzipiell gegen Prequeln, wie man sieht, weil man die ja trotzdem gut werden können. Es ist ja auch legitim; man hat den Kanon – ein vorhandenes Universum mit Figuren, Ideen und Konzepten, aus denen man schöpfen kann, ohne jedes Detail nochmal extra erklären zu müssen – und man hat eine mehr oder weniger große Fanbase, sozusagen die Stammkundschaft, die das finanzielle Risiko dämpft.

Wenn man sich dessen bewusst ist, dass die Stammkundschaft deshalb Stammkundschaft ist, weil sie den Kanon LIEBT, dass Leute, die den Kanon nicht mögen, wahrscheinlich eh‘ nicht als Kunden zu gewinnen sind, und das der Laufkundschaft der Kanon so-oder-so egal ist, dann ist merkt man, dass der optimale wirtschaftliche Erfolg nur dann zu erreichen ist, wenn man den Kanon entweder einhält oder nur sorgfältig dehnt (hängt jetzt auch davon ab, wie engmaschig oder flexibel der Kanon an sich ist).

Beschwerde 1: „Aber Kanon hier, Kanon da! Der Kanon sind einfach enge Vorschriften, die mich in meiner Kreativität einschränken!“ Wenn Du so kreativ bist, kannst Du sicher eine Möglichkeit finden, Engstellen zu umschiffen. Oder die Welt gefällt dir nicht, dann solltest Du damit vllt. einfach nicht arbeiten. Oder ODER, Du denkst Dir einfach eine ganz neue Geschichte aus, die in einem ganz neuem ‚verse spielt. Du bist ja kreativ, hast Du gesagt.

Beschwerde 2: „Fans are Slans! Meine Stammkundschaft ist eine Bande abnormer Mutanten mit zwei Herzen, übersinnlichen Fähigkeiten und einem eidetischen Gedächtnis, dass jede Unstimmigkeit erkennt und gnadenlos kritisiert!“ Kann sein. Vllt. kennen die sich im Kosmos, mit dem DU Dein Geld verdienen willst, auch einfach besser aus als Du, was zumindest die Frage aufwirft, warum Du damit Geld verdienen willst. Aber wenn Du keine Stammkundschaft haben willst, suche Dir einfach neue: ENTWEDER, Deine neue, kanonbrechende Geschichte ist so gut, dass sie mehr Laufkunden gewinnt als Stammkunden vergrault, ODER, Du denkst Dir einfach ein neues ‚verse aus. Kannst Du! Kreativ und so!

Ein Beispiel, wie man erbärmlich scheitern kann, indem man auf Kanon und Fanbase pfeift, ist ebenfalls die Vorgeschichte einer Figur aus der Batman-Saga: Catwoman, mit Halle Berry. Sie nahm die Goldene Himbeere mit Humor.

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