Das „und die Bibel ist auch brutal“-Argument

Weil das gelegentlich vorkommt. Offensichtlich gibt es sowohl in der Bibel als auch im Koran brutale Stellen. Teilweise sind das sogar dieselben brutalen Geschichten. Jetzt gibt es massenhaft islamkritische* Menschen, die ihre Kritik am Islam an den brutaleren Koranversen festmachen. Jetzt könnte man natürlich einwenden, dass diese Stellen in einem historischen Kontext gemeint sind, der SO nicht mehr gegeben ist, oder dass es Muslime gibt, die offenbar flexibel genug sind, Koranstellen zu interpretieren, wobei manche zwar die brutalere, andere aber die harmlosere Variante bevorzugen. Oder, dass man Muslimen generell einen freien Willen zuspricht, und jeden Muslim – Muslimas sind mitgemeint – nach seinen Taten beurteilt und nicht nach den Taten eines anderen Muslim, oder der Koran-Interpretation eines anderen Muslims, oder der eigenen, islamfeindlichen Koraninterpretation. Wo war ich?

Achja, oder, man sagt: „In der Bibel steht aber auch was brutales, nämlich…“

Und da, liebe Leute, kommt Ihr nicht weit mit. (Irgendwie höre ich das Argument nie von Muslimen und Muslimas; islamische Menschen, die sich mit ihrem Glauben halbwegs identifizieren, kriegen es anscheinend gebacken, ihn auch anders zu verteidigen, bzw., sie haben noch andere Argumente als das.)

Darauf gibt es nämlich drei recht einfache Argumente:

  1. „‚Die aber auch‘ ist Kindergarten!“
  2. „Ich bin ja nicht nur gegen Moslems, sondern auch gegen Juden.“
  3. „Ich bin nicht nur gegen Moslems und Juden, sondern auch gegen Christen, Hindus, Kommunisten und Fußballfans.“

Zur Erklärung:

Argument 1 ist selbsterklärend. Argument 2 kommt von Islam“kritikern“, die auch juden“kritisch“ sind. Argument 3 von Leuten, die einfach alle anderen Weltanschauungen verachten.

Wollt Ihr antisemitischen Islamkritikern auch noch Argumente liefern? Nicht, dass die am Ende noch welche haben.

Achja, wenn Ihr denkt, dass Islamkritik hauptsächlich von besorgten Christen käme – ach, das wäre ja zu logisch. Die meisten Pegida-Mitmarschierer, AfD-Wähler und sonstige Islam-nicht-so-gut-Finder kommen aus den Bundesländern mit den geringsten Christenanteilen; zufällig sind das auch die mit den geringsten Muslimanteilen. Auch nicht logisch, eigentlich…

Jedenfalls kann man Islamkritiker, die keine Christen sind, schlecht mit Doppelmoral besiegen, weil das an der Stelle zumindest keine Doppelmoral ist. Und die christlichen Islamkritiker werden tatsächlich erklären, warum das in der Bibel was anderes ist als im Islam, da … irgendwas mit Jesus.

Falls Ihr also meint, Islamophobie mit Argumenten heilen zu können – das hier jedenfalls wirkt schlecht.

 

*irgendwas-Kritik hat unlängst eine üble Bedeutungsverschlechterung bekommen.

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