Wie diverse (m/w/d) andere schon bemerkten:
Gandalf sollte eine Frau sein.
Sagt eine Frau zumindest, die mal im Herrn der Ringe eine Frau gespielt hat.
Vereinfacht ausgedrückt: Nein.
Lange Erklärung: Gandalf ist ein Geistwesen, das eine körperliche Form angenommen hat, welche zu seinem Charakter passt. Weil es sich als männlich wahrnimmt, nimmt es eine männliche Form an. Kennt Ihr die vielen Geschichten von Leuten, die in einem falschen Körper geboren wurden und sich hinterher eine geschlechtsangleichenden OP unterziehen mussten, damit Körper, Geist und Seele im Einklang leben können? Ohne Selbstmordgedanken? Ja? Nun, wenn man sich seinen Körper aussuchen kann, mit dem man Jahrhunderte leben wird, welchen Sinn hätte es dann, nicht den genauen Wunschkörper zu haben? Eben.
Natürlich spricht nichts dagegen, sich für eine Geschichte, die in Mittelerde spielt, eine weibliche Maia auszudenken, die durch die Welt reist, Probleme löst, anderen Leuten hilft und magisch begabt ist. Vor ALLEM, wenn man sich sowieso eine Geschichte ausdenkt, die von Tolkien höchstens angerissen wurde – das zweite Zeitalter wird in den Büchern relativ kurz behandelt, wenn man bedenkt, wie lang es ist – aber das wäre ein anderer Charakter. Es wäre auch gerne ein „Archetyp“, also z.B. eine weise alte Frau mit grauen Haaren und enormer Lebenserfahrung, also Miss Marple auf Fantasy, was – in den Händen von Leuten, die nicht nur Asche machen wollen, jedenfalls – sicher auch stimmungsvoll in das ganze Setting passen würde. Aber ein anderer Charakter.
Und das ist eben die Krux: zu sagen, man hätte gerne, bei Tolkien oder sonstwo, mehr weibliche Figuren als Identifikationsfiguren oder für mehr Abwechslung, ist die eine Sache. Zu sagen, man wolle nicht, dass Gandalf männlich ist, ist Ponyhof-Kindergarten-Wunschkonzert-Denken.
Außerdem kommt Gandalf in DER Gestalt im zweiten Zeitalter von Mittelerde gar nicht vor, aber davon mal ganz ab.
Aber, wenn man gerne mehr Gendergleichheit hat, stellt Euch einfach vor, Gimli und Legolas seien zwei Frauen. Menschen sehen den Unterschied eh‘ nicht. Und das sie als „Sohn“ bezeichnet werden, ist ein Fehler in der Synchro.
Oder, man befasst sich mit solcher Fantasy, wo Magie tatsächlich eine weibliche Domäne ist, wie beim Rad der Zeit oder in die Nebel von Avalon.
O-DER, man denkt sich einfach eigene Fantasy aus, denn Fantasy ist nicht das lateinische Wort für „schreib-ab-bei-Tolkien“, sondern bedeutet so etwas ähnliches wie „Einfallsreichtum“ oder „Vorstellungsvermögen“. Crazy.
Spart auch die Mio.-Beträge für Tolkiens Rechtsnachfolger, die man dann für CGI und so verbraten kann.
Ansonsten fände ich eine Verfilmung des Ersten Zeitalters viel schöner. Magisch begabtes, engelartiges Wesen mit der Seele und dem Körper einer Frau? Melian, die Maia. Ansonsten alles, was man am Herrn der Ringe und Game of Thrones toll findet, wie z.B.: Zwerge, Drachen, Elben, eine tödliche Bedrohung am Nordrand des Kontinentes, Intrigen und Eifersüchteleien, anstatt diese Bedrohung zu bekämpfen, mehr Balrogs, Galadriel, Menschen, Riesenadler (es wäre einfach nicht Tolkien, wenn niemand von den Adlern gerettet wird), Galadriels Familie, evt. Ents, Bruder-Schwester-Inzest, unterirdische Städte und Festungen, Belagerungen, Leute, die durch die Wildnis wandern, die epischen Schlachten, wenn man wohl oder übel die Bedrohung im Norden bekämpft, und zwar so viel Epik, dass ein Mensch in seinem Leben gar nicht alle Epen über diese Schlachten auswendig lernen und vortragen kann, weil das menschliche Leben zu kurz und das menschliche Gedächtnis zu schwach ist (das ist zwar menschistisch, aber trotzdem), Reithunde, Orks, Werwölfe und natürlich das alte Klischee von der Unschuld in Nöten (Damsell in Distress), nur dass diesmal die Unschuld ein Mann ist, der von seiner Freundin gerettet wird. Wie in Fidelio. Nach einer wahren Geschichte.
Aber dann hätten die für DIE Rechte noch ein paar hundert Mio. mehr auf den Tisch legen müssen.