Gender Pay Gap Zusammenfassung

Weil das Thema Gender Pay Gap (GPG) immer wieder vorkommt, werde ich meinen Teil der Argumentation bzw. Gegenargumentation zusammenfassen und ggfs. verlinken. Auch andere Menschen sind eingeladen, diesen Post hier zu nutzen, oder aber, weitere Argumente (oder halt Gegenargumente, wenn’s denn sein muss) in die Kommentare zu schreiben.

Vorweg gesagt, ich bestreite nicht, dass es Sexismus gibt, bzw. sexistische Menschen, die als Arbeitgeber bzw. Angestellte mit Personalverantwortung tätig sind. Dass muss man mir nicht beweisen. Aber wenn man es mir beweisen will, oder sonstwem, dann sollte man die Existenz von Sexismus mit redlich ermittelten Zahlen darstellen.

Beim GPG wird das Durchschnittsbruttostundenlohn von Frauen und Männern verglichen. Der unbereinigte GPG, also der, bei dem nur die reinen Zahlen verglichen werden, beträgt in D. rund 21 %, d.h., Frauen verdienen im Schnitt nur 79% von dem, was Männer im Schnitt verdienen. Oder Männer verdienen knapp 27% mehr als Frauen. (Zum Nachrechnen: 1/(1,0-0,21) = 1/0,79 = 1,27 = 127 %)

Beim unbereinigten GPG werden unterschiedslos alle Gehälter verglichen, ohne Rücksicht auf unterschiedliche Berufe, Ausbildung, Arbeitsverhältnisse, Qualifikation und Berufserfahrung. Weil der unbereinigte trotzdem gerne verwendet wird, erstmal die Gegenargumente, wenn damit argumentiert wird:

  1. der unbereinigte GPG berücksichtigt nicht, dass sich die Geschlechter nicht gleichmäßig auf alle Berufe verteilen, und daher der Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ also nicht zwingend gebrochen wird.
  2. alle pauschalen Behauptungen oder Andeutungen, Frauen würden „für gleiche Arbeit“ 21% weniger verdienen, sind deshalb falsch; sei es aus falschem Verständnis oder Lüge. Zu nicht-pauschalen Aussagen weiter unten.
  3. weil unterschiedliche Berufsgruppen verglichen werden, ist eine Beschwerde über den unbereinigten GPG auch eine Beschwerde, dass die (überwiegend weibliche) Belegschaft einer KiTa weniger verdient als die (überwiegend männliche) Belegschaft eine Autofabrik. Es wird also unterstellt, dass die Autobauer nur deshalb mehr Geld kriegen, weil sie Männer sind. Das ist nicht die einzig mögliche Erklärung. Um das mal aus meiner Sicht darzustellen: ich schicke mein Kind in den Kindergarten, weil ich in der Zeit, in der ich es nicht selbst betreuen muss, Geld verdienen kann. Dieses Geld finanziert nicht nur mich und mein Kind, sondern teilweise auch die Erzieherin(m/w/d). Wenn ich mir ein Auto kaufe, dass ich u.a. brauche, um zur Arbeit zu kommen und mein Kind in den Kindergarten zu bringen, finanziere ich damit den Mann am Fließband(m/w/d). Ok. Das Geld kriegen beide nicht direkt von mir, aber die Lohnkosten werden an mich weitergereicht. Wenn das Erziehungspersonal mehr Geld will – was ja ihr gutes Recht ist – kommt irgendwann der Punkt, dass ich sage, dass mir das zu teuer ist. Ich mache Homeoffice und erziehe mein Kind einfach selbst. Wenn die Autobauer mehr Geld wollen, kommt der Punkt, ab dem mir das zu teuer ist, auch, aber später. Warum? Weil ich mein Kind selbst erziehen kann, aber nicht mein Auto selber bauen! Weil diese Argumentation nicht nur für mich, sondern viele andere Menschen gilt, haben Arbeitnehmer(m/w/d) in der Automobilbranche eine bessere Verhandlungsbasis bei Tarifverhandlungen. Dies wäre auch dann so, wenn in beiden Branchen jeweils gleich viele Männer und Frauen arbeiteten.
  4. der Vergleich unterschiedlicher Berufsgruppen mit unterschiedlichen Geschlechterverhältnissen wird teilweise damit gerechtfertigt, weil argumentiert wird, dass geschlechtsspezifische Rollenklischees und Vorurteile zu Berufsentscheidungen führen, die ihrerseits zu unterschiedlichen Einkommensverhältnissen führen. Hierzu erstmal die allgemeine Gegenfrage: Wessen Klischees?
  5. wenn die der Personalabteilungen in „Männerberufen“ gemeint sind – ok. Wie viele Frauen arbeiten in „Frauenberufen“, nachdem sie eine „Männerberufausbildung“ abbrechen mussten, weil sie nicht genommen wurden oder von Chef und/oder Belegschaft rausgemobbt wurden, und wie viele Frauen haben direkt in „Frauenberufen“ angefangen? Wie viele Frauen sind im Vergleich dazu in „Männerberufen“ geblieben? Gibt’s dazu Statistiken? Betriebsinterner Sexismus ist sicher vorhanden, aber der wird wohl eher durch den bereinigten GPG abgebildet.
  6. wenn die eigenen Vorurteile gemeint sind, also dass Frauen nur deshalb überwiegend in bestimmten Berufen arbeiten, weil „die“ Gesellschaft sagt, dass sie dafür am besten geeignet wären – naja. Man kann nicht der Gesellschaft vorwerfen, bestimmte Vorurteile zu haben, wenn man sie selbst nicht überwindet. Ich sehe auch irgendwie nicht meine Verantwortung darin, Frauen in „Männerberufe“ zu bringen, wenn die nicht erkennen lassen, dass sie darein wollen.
  7. wenn damit die Vorurteile von Männern gemeint sind, die nur deshalb nicht in „Frauenberufen“ arbeiten, weil das ja „Frauenberufe“ sind – nagut. Hält aber erstmal keine Frau davon ab, Dachdecker(w) zu werden.
  8. es übrigens nicht so, dass es ein Gesetz, eine Vorschrift oder sonstige staatliche Maßnahme gibt, die Frauen davon abhält, Dachdecker, Automonteur oder sonstwas „männliches“ zu werden; es gibt sogar staatlich geschützte Institutionen, die es Frauen ermöglichen, einen gut bezahlten Beruf zu ergreifen, oder in einem schlecht bezahlten Wunschberuf für bessere Löhne zu kämpfen (freie Berufswahl, Streik). Der Wunsch nach staatlichen Eingriffen ist also überflüssig, solange diese Mittel entweder nicht ausgeschöpft wurden oder erkennbar ist, dass diese nicht greifen.
  9. es ist generell nicht Aufgabe von Staat oder Gesellschaft dafür zu sorgen, dass Männer und Frauen dasselbe verdienen. Es gibt Gewerkschaften und Arbeitsgerichte. Einen Anspruch, dass Beruf X dasselbe verdient wie Beruf Y, gibt es aber grundsätzlich nicht, weil dies einen unzulässig starken Eingriff in die Tarifautonomie darstellen würde.
  10. eine Frau ist für ihre Berufswahl selbst verantwortlich; Durchschnittseinkommen sind keine Geheimnisse. Insofern kann eine Frau, die sich über das geringe Einkommen ihres selbstgewählten Berufes beschwert, nicht mehr Mitleid erwarten als ein Mann, der sich über das Einkommen seines selbstgewählten Berufes beschwert. Und das ist ziemlich wenig Mitleid.

Der bereinigte GPG, der tatsächlich überprüft, ob gleiche Arbeit gleichen Lohn erhält, beträgt in D. nur rund 2-7%. Bzw., er schwankt nach Beruf, Branche, Bundesland und vermutlich auch nach Betrieb. Wenn jemand damit argumentiert, die Gegenargumente:

  1. ja, Du hast Recht. Geh und frage mal nach eine Gehaltserhöhung.
  2. ja, Du hast Recht, Dein Arbeitgeber behandelt Dich unfair. Suche Dir einen besseren.
  3. ja, Du hast Recht, Du verdienst rd. 2-8% mehr als Du kriegst. Suche Dir einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht und verklage Deine Firma.
  4. ja, Du hast Recht, tritt Deiner Gewerkschaft mal in den Hintern.
  5. ja, Du hast Recht. Ach, Du BIST in der Gewerkschaftsführung? Komm mal aus dem Quark.
  6. ja, Du hast Recht. Als professionelle Fußballspielerin wirst Du nicht genug bezahlt, um davon gescheit zu leben, was das Wort „Profi“ im Unterschied zum „Amateur(m/w/d)“ ja eigentlich bedeuten sollte. Ich finde es aber auch völlig überzogen, was Deine männlichen „Kollegen“ so kassieren. Ich werde mich gerne dafür stark machen, dass man denen ein oder zwei Stellen vor dem Komma streicht, damit die mal sehen… ach, das willst Du auch nicht? Tja, dann…

Ein Gedanke zu “Gender Pay Gap Zusammenfassung

  1. Hier mein Standart-Leserbrief über den GPG:

    ….“Wenn Frauen im Vergleich zu Männern für die gleiche Arbeit grundsätzlich schlechter bezahlt werden, müssten die Arbeitgeber dann nicht (gerade in der heutigen Zeit, in der Kostenersparnis solch eine große Rolle spielt) nur noch Frauen einstellen? Warum sollten sie die teueren Männer einstellen, wenn sie doch die gleiche Leistung von billigeren Frauen haben könnten? Ein Unternehmer der dies erkannt hätte, könnte seine Waren/Dienstleistungen billiger anbieten, hätte mehr Gewinn und der Vorsprung vor der Konkurrenz wäre enorm. Die Unternehmer sind auf dem Gebiet der Gewinnmaximierung entweder plötzlich vollkommen blind, oder die Situation der Lohndiskriminierung besteht nicht. „…….

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