Sich hinter Trollen verstecken

Trolle sind nervig, Trolle sind aggressiv, Trolle sind an keiner zielführenden Diskussion ineressiert.

Die schlimmeren HASSEN ihre Diskussiongegner, die besseren mögen sie einfach nicht.

Um das jetzt von meinem Standpunkt aus zu betrachten: Die bei Pink Stinks sind z.B. keine Trolle, da sie die Existenz von männerspezifischen Problemen anerkennen, darüber diskutieren wollen und tatsächlich an Lösungen interessiert sind. Sie haben zwar etwas andere Vorstellungen, was diese seien, aber niemand ist ein Troll, nur weil soe andere Ansichten hat (und ich hoffe mal, sie sehen das umgekehrt bei mir ähnlich).

Definitiv trollig würde ich Sprüche wie den von Frau Clinton einordnen.

The experience that you have gone through is in many ways comparable to what happens with domestic violence. Women have always been the primary victims of war. Women lose their husbands, their fathers, their sons in combat. Women often have to flee from the only homes they have ever known. Women are often the refugees from conflict and sometimes, more frequently in today’s warfare, victims. Women are often left with the responsibility, alone, of raising the children. Women are again the victims in crime and domestic violence as well. Throughout our hemisphere we have an epidemic of violence against women, even though there is no longer any organized warfare that puts women in the direct line of combat. But domestic violence is now recognized as being the most pervasive human rights violation in the world. …

Quelle
Kerngedanke: „Frauen waren immer die Hauptopfer des Krieges. Frauen verlieren ihre Ehemänner, ihre Väter, ihre Söhne im Gefecht.“

Ja, das war nicht bei FB oder Twitter, das war bei einer Konferenz über häusliche Gewalt.

Ob eine Frau und ihre Kinder Gewaltopfer von Ehemann bzw. Vater werden ODER ob ihr Vater bzw. Ehemann beim (mutmaßlichen) Versuch ums Leben kommt, Frau und Kinder vor Gewalt zu schützen – alles dasselbe. Nebenbei, da Frauen nur deshalb einen größeren Anteil an den zivilen Opfern eines Krieges haben, weil in Kriegszeiten meistens Männer rekrutiert werden und somit keine Zivilisten mehr sind (eine Vorschrift, die zum Zeitpunkt dieser Rede nicht nur in El Salvador galt, sondern auch in den USA), könnte man die Statistik ganz einfach ausgleichen, indem man auch Frauen einberuft. Drittens, frei nach Eowyn (Hörspiel-Version): „Solange ein Mann Frau und Kinder hat, soll er bitteschön am Leben bleiben und sie beschützen; wenn Frau und Kind aber gestorben sind, kommt es auf den Mann auch nicht mehr an – seine Frau und Kinder brauchen ihn ja nicht mehr.“

Das ist Trolldenke.

Dennoch ist es wichtig, sich nicht hinter Trollen zu verstecken. Nur, weil einige Andersdenkende offensichtliche Trolle sind, sind nicht alle Andersdenkende Trolle, und man sollte seinen Anspruch so setzen, dass man die Argumente der untrolligen Andersdenkenden widerlegt und nicht die der Trolle. Insbesondere sollte man nicht so tun, dass man automatisch Recht hätte, weil es andersdenkende Trolle gibt.
(Also, nur weil Clinton gegen Kriege und häusliche Gewalt ist, ist nichts von beidem gut.)

Ein solches hinter Verstecken ist aber relativ weit verbreitet. Ein etwas älteres Beispiel, wo sich die Wogen (hoff‘ ich mal) geglättet haben, ist die Rolex von Frau Chebli.
Die einzigen Menschen, die über die Stimmenverluste der SPD traurig sind, sind die, die sie wählen.
Daher kann man die Chebli-Kritiker in zwei Kategorien einteilen: solche, die froh sind, sie kritisieren zu können, und solche, die darüber traurig sind, dass man sie kritisieren kann.

Zur ersteren Kategorie gehören Leute:

  • die was gegen Frauen haben
  • die was gegen Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund haben
  • die was gegen Muslime haben
  • die was gegen Rolex und/oder Reichtum haben
  • die was gegen Politiker haben
  • die was gegen die SPD haben

zur zweiten Kategorie gehören

  • Leute, die SPD wählen

Man kann sich daher denken, dass die erste Kategorie deutlich häufiger im Schittsturm vorkam. Das darf aber nicht zu dem Fehlschluss führen, dass jede Kritik a.) von Menschen kommt, die gegen einen sind, und b.) niemals legitim ist. (Gegenbeispiel – wenn jemand mehr oder weniger offen Trumps Ermordung vorschlägt, ist Trumps Verhalten nicht rückwirkend legitimiert.)

Zunächst einmal: Cheblis Familie (sie ist mit vielen Geschwistern in einer 2-Zimmer-Wohnung großgeworden) ist genau die Zielgruppe, für die man die SPD mal erfunden hat, deshalb sind alle Sprüche von wegen Quoten-Frau, Quoten-Moslem und Quoten-Quote sinnfrei. Andererseits wählt niemand SPD, damit Frau Chebli einen gut bezahlten Job hat. (Außer Frau Chebli natürlich, aber die darf das auch.)

Die Verteidigung von Frau Chebli verlegt sich aber größtenteils auf dem Sexismus, Rassismus, Islamophobismus und Wasweißichsonstnochismus ihrer Gegner, nicht aber auf die Wünsche ihrer Verbündeten und Unterstützer. Also der Leute, die die SPD prinzipiell wählen würden. Beispiele?

Rolex für alle!

Ist vermutlich ironisch gemeint, ich möchte es aber trotzdem ernst nehmen – das ist KEIN Argument, eine Rolex zu tragen (folgende Argumente gelten auch, wenn ein SPD-Wham eine Rolex trägt).

  1. Rolex für alle ist kein realistisches Ziel – egal, wieviel die Durchschnittsdeutschen so verdienen, die Fa. Rolex wird ihre Preise immer so gestalten, dass ihre „billigsten“ Uhren ein Durchschnittsmonatsgehalt in einer westlichen Industrienation kosten
  2. wenn man das ändern wollte, reichen Arbeitskämpfe also nicht, sondern man muss die Schweiz erobern und Rolex verstaatlichen, um sie zur Produktion von „Arbeiterrolex“ zu zwingen.
  3. da Rolex die Doppelfunktion „Zeitmesser“ und „Statussymbol“ haben, und erstere durch Handys und Smartphones übernommen wurde, werden Rolex‘ völlig sinnlos sein, sobald sie nicht mehr als Statussymbol taugen, weil alle eine haben (können).
  4. daher wird Rolex entweder zum reinen Zuschussbetrieb werden oder mangels Nachfrage pleite gehen, was dann zu „Rolex für niemanden“ führt (eigentlich eine besseres Ziel für eine linke Partei).
  5. selbst, wenn „Rolex für alle“ ein plausibles, realistisches und legitimerweise erreichbares SPD-Ziel wäre, wäre es schöner, wenn Frau Chebli oder ihr Wham-Genosse wenigstens warten würde, bis das Bärenfell verteilt wird.

Was mich betrifft, so brauche ich keine Rolex und will keine Rolex und wüsste tausend Dinge, die ich mir lieber kaufen würde, wenn ich das Geld für eine Rolex übrig hätte, und fühle mich also nicht mit Menschen verbunden, die das offenbar anders sehen; aber wenn ich gerne Leute wählen würde, die mit ihren Rolexen rumprollen, dann doch gleich die FDP. Herr Lindner hat sie übrigens „verteidigt“:

Was Sawsan Chebli im Öffentlichen Dienst verdient, ist bekannt. Über ihre Arbeit kann man demokratisch entscheiden. Was sie mit ihrem verdienten Geld privat macht, geht niemanden etwas an. Soll sie doch x Rolex tragen. Man muss nicht arm sein, um gegen Armut zu sein.

Hervorhebung von mir – er scheint das also ähnlich zu sehen wie ich. Hmmmm….

Auch die Argumentationslinie, dass sich die Chabli-Hater nicht über die Cum-Ex-Geschäfte echauffieren, geht am Problem vorbei (obwohl es sein kann, dass das den Hatern auch zu kompliziert ist): weil es kriminelle Machenschaften und eher suboptimale Kontrollen gab, darf man Politiker nicht mehr kritisieren? Oder – umgekehrt – was würde es bringen, Verbrecher bei FB und Twitter zu kritisieren? Kann man die etwa abwählen?

Richtig schlecht ist die Behauptung, Willy würde Rolex tragen. Wieso „würde“? Willy Brandt wurde 1913 geboren, die erste Rolex gab es 1910. Spätestens als Kanzler hätte er sich eine kaufen können. Hat er? Wenn ja, bitte Beleg. Wenn nein, ist das kein Argument. Sich als linker Politiker elegant und stilsicher zu kleiden für einen Betrag, den auch die meisten ioser Wähler leisten könnten, ist ein Beweis, dass Eleganz kein Privileg der Reichen ist. Eine Rolex zu kaufen, beweist nur, dass man das Geld hat. So als Kanzler einer großen, westlichen Industrienation und so. Oder meinetwegen auch als Staatssekretärin. Und, wenn man das Argument auf Gerhard Schröder erweitern will: seit dem „Genossen der Bosse“ in seinen teuren Anzügen geht es mit der SPD bergab. Könnte es vllt. doch sein, dass dieser zur Schau gestellte Klassenunterschied in einer Partei, die eigentlich gegen Klassenunterschiede sein sollte, die SPD-Wählerschaft vergrätzt? Und nicht die Cum-Ex-Geschäfte? (Und die eigentliche SPD-Politik vllt. auch noch, aber wer will das schon trennen.)

Ein relativ sinnfreier, wenn auch realitätsbasierterer, Einwand gegen die Kritik ist, dass auch Frau von Storch eine Rolex trägt. Sorry, Volksverpetzer. Erstens, die AfD bekämpft im (mutmaßlichen) Unterschied zur SPD nicht gesellschaftliche Ungleichheit, sondern tritt dafür an, dass es den Ostdeutschen so gut wie den W ähh, immer einen Tacken besser nee, also weniger schlecht geht als Migranten und Migrantenkindern. Eine Rolex ist bei denen also kein kontraintuitives und kontraproduktives Statussymbol oder irgendwie „doppelmoralisch“, denn die AfD hat ja keine Moral, die sie verdoppeln könnte. Zweitens, wenn Frau von Storch nicht besser ist als Frau Chebli, ist das kein Kompliment, über dass sich Frau Chebli (oder sonst wer) freuen könnte. Und drittens, wenn ich jetzt einfach weder AfD noch SPD wähle, bin ich das Dilemma los.

Aber das beste Argument, das eine Rolex kein Problem ist, komm natürlich von Chebli selbst:

 „Ich würde sie ja sofort verschenken und mit ihr meine Schuhe und Klamotten und überhaupt alles, was ich habe, wenn wir dann allein regierten.“

Ja, dann mach doch einfach! Alleinregierung ist jetzt natürlich utopisch, weil – es wird Dich vllt. freuen zu hören – Du doch nicht alleine für die letzten drölfzig SPD-Wahl-Niederlagen verantwortlich bist, aber vllt. würde so eine Aktion Eure (unsere) Partei demnächst vor der fünf-Prozent-Hürde retten.

Ansonsten versteckst Du Dich hinter Trollen. Dass die Hater aus der AfD Dich nicht leiden können, ok, aber Du erwartest jetzt von der SPD-Wählerschaft, sich mit Rolex-Trägern (m/w/d) zu solidarisieren? Oder hältst Du es für politisch/diplomatisch/argumentativ geschickt, einfach alle Deine Gegner als AfDler zu främen? Nicht jeder, der Dich kritisiert, wählt AfD, so wie auch nicht jeder, der Dich verteidigt, SPDler ist. Aber Dein Erfolg, Dein Wohlstand und Deine Rolex ist nicht nur das Produkt Deiner harten Arbeit, sondern liegt auch daran, dass Du in einer Partei bist, die WIR gewählt haben. Und, wie heißt es so schön? Alle Räder stehen still, wenn unser starker Arm es will. Und woanders einen Haken macht.

Trolle haben sind keine Argumente!

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