Kapitalismuskritik-Kritik

Über Schoppe bin ich hierauf gestoßen.

Heißa!

Ich musste unlängst als Zeuge aussagen. Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich weder mich selbst, noch meine Verwandten oder Verschwägerten belasten müsse.

Warum ist das so? Wieso sollte der Staat es mir explizit erlauben, bestimmte Menschen vor Strafverfolgung zu beschützen?

Dazu gibt es eine Menge zu sagen, aber ich will das mal auf die Antigone des Sophokles zurückführen. Als gute Menschen, die in der abendländischen Kultur aufgewachsen sind, kennt Ihr das natürlich, aber für den Fall, dass wer anderes sich mal hierher verirrt: Habt Ihr mal davon gehört, dass es Frauen in Saudi-Arabien nicht so super geht? Auch wenn die inzwischen wählen dürfen? Und demnächst ins Sportstadion gehen? Ja? Nun, verglichen mit den Frauen im Athen im 5. Jhrd. v. Chr. geht es denen noch ziemlich gut. Die einzigen Frauen, die man da in der Öffentlichkeit sah, waren Prostituierte. Oder Sklavinnen. Bzw. beides. Und in dieser eher frauenfeindlichen Gesellschaft (nicht nur im Vergleich zum heutigen Mitteleuropa, sondern auch zum heutigen Saudi-Arabien) schrieb Sophokles die Antigone. Kernaussage: auch Frauen können Recht haben, auch Frauen können Zivilcourage zeigen und die Klappe aufmachen (den Männern verschließt die Furcht das Maul), und auch Frauen können ethisch richtig handeln. Worin handelt Antigone richtig? Darin, dass bestimmte Dinge nicht vom Staat zu bestimmen sind. Bzw., dass der Familie mehr Treue geschuldet wird als dem Staat. Selbst einer derartigen Problemfamilie wie der der Antigone.

Und so, wie es falsch war, Antigone zu zwingen, sich gegen ihren (einen) Bruder zu stellen, so ist es falsch, einen Menschen zu zwingen, gegen Verwandtschaft auszusagen.

Aber jetzt kommt Hermsmeier und „linke Theoretikerinnen“ und „fordern“: Schafft die Familie abWeil die Familie die Menschen davon abhält, komplett vom Staat kontrolliert zu werden. Ähh, um eine Utopie zu verwirklichen, die unsere Gesellschaft überwindet. Und weil das Konzept Familie noch älter ist als Kapitalismus und Patriarchat. Und wisst Ihr, liebe Kinder, was auch noch älter ist? Der aufrechte Gang. Schafft den bitte auch noch ab. Nicht „wir“. IHR.

Alle Utopien haben ein Problem gemein, sie enden an einer Grenze: der unseres Vorstellungsvermögens. … Bestes Beispiel dafür sind die Ideen einer postkapitalistischen und postpatriarchalen Gesellschaft, die sich, wie die Begriffe schon verraten, eben vor allem auf das beziehen, was sie überwinden möchten.

Oder einer posthumanen Gesellschaft. Aber nein: Utopien haben das Problem, dass sie an der Grenze des Umsetzbaren bzw. bei gesellschaftlichen Utopien, des Durchsetzbaren scheitern. Bevor der erste Mensch geflogen ist, hat man davon geträumt zu fliegen. Man kann auch davon träumen, mit Überlichtgeschwindigkeit zu fliegen, aber das wohl wird ein Traum bleiben. Nur, wer wünscht sich ernsthaft, ohne Familie aufgewachsen zu sein? Nicht einmal Antigone!

Jedenfalls geht es weiter mit dem Report der Magd. Achne, mit „Full Surrogacy Now!“. Nicht ganz dasselbe. In „Der Report der Magd“ geht es um eine dystopische Zukunft, in der es wegen zunehmender Umweltverschmutzung zu Unfruchtbarkeit und einem Staatsstreich in den USA kommt. Es entsteht die Republik Gilead, wo solche Frauen, die zwar zu keiner einflussreichen Familie gehören, aber erwiesenermaßen noch fruchtbar sind, zu „Leih“müttern/Nebenfrauen von wichtigen Männer des Regimes gemacht werden (die Männer sind vllt. auch unfruchtbar, aber nunja). Es gibt eine Menge Gründe, warum diese Gesellschaft dystopisch ist, aber ein Punkt sei mal herausgestallt: Das Recht UND die „Ressourcen“, Kinder zu kriegen, werden reguliert. Bei „Full Surrogacy Now!“ scheint es, wenn ich das richtig verstehe, darum zu gehen, dass nicht nur die Personen, die eine Leihmutterschaft beauftragen, sondern die Gesellschaft als ganzes sich um die Leihmütter zu kümmern habe.

Okeee. Erstens, wenn Frauen dafür bezahlt werden, Kinder auszutragen (ihre biologischen Nachkommen oder implantierte), dann ist das erstmal MEHR Kapitalismus statt weniger, weil dadurch eine Sache oder Dienstleistung ein Preisschild bekommt, die vorher noch keines hatte. Zwotens, wenn es darum geht, dass Leihmütterschaft ethisch und juristisch besser gestellt wird als jetzt, so dass Paare mit Kinderwunsch deshalb nicht mehr nach Kambodscha oder wo „müssen“, sondern in westlichen Industrienationen Leihmütter finden (können), nagut. Aber die Paare mit Kinderwunsch sind Paare mit Familienwunsch. Ich unterstelle mal, dass ein solches Paar – seit Einführung der Ehe für alle gibt es auch immer mehr davon – keine Haussklavin wie die „Mägde“ aus Atwoods Roman wollen. Sie wollen aber eine Familie. Wenn mehr Rechte für Leihmütter hieße, dass die Leihmutter mehr Rechte bzgl. Umgang und Erziehung des Kindes hätte als die biologischen Eltern, würden die das vermutlich nicht mehr wollen und das ganze „Geschäftsmodell“ wäre hinfällig. Drittens, echte „Schwangerschaftsgerechtigkeit“ gibt’s erst mit der künstlichen Gebärmutter. Auf Krankenschein. Viertens…

Lewis skizziert in ihrem Buch eine Welt, in der die bis dato neokolonial-ausbeutende Praxis der Leihelternschaft obsolet würde, weil wir alle Leiheltern würden;

Die neokolonial-ausbeutende Praxis ist mWn nicht SEHR verbreitet. Nicht nur, weil es verboten ist, sondern auch weil die meisten bourgeoisen (oder wie das heißt) Paare die erforderlichen „Produktionsmittel“ nicht nur besitzen, sondern auch selbst bedienen – Proletarier aller Länder, bestreikt DAS. Hier wird ein Randproblem zu einem Hauptproblem aufgepumpt. Außerdem: alle Leiheltern? Auch die, die keine Eltern werden wollen?

… eine Welt, in der Kinder niemandem mehr gehörten und sich deshalb auch keine Gebärmütter mehr geliehen werden müssten. …

Das ist ein non sequitur: der Grund, sich „Gebärmütter zu leihen“, ist nicht, dass Kinder „Eigentum“ der Eltern sind. Außerdem sind Kinder schon lange nicht mehr Eigentum der Eltern.

… Lewis stellt sich vor, wie es wäre, wenn wir Familien nicht mehr bräuchten, weil die Gesellschaft ausreichend Fürsorge und Nähe spendete, …

Und ich stelle mir manchmal vor, wie es wäre, wenn wir Supermärkte nicht mehr bräuchten, weil es Milch und Honig regnet. „Die“ Gesellschaft wird ein Kind nie so lieben wie dessen Familie es kann. Und ja, manche Kinder wachsen in ziemlich schlimmen Familien aus, aber es gibt auch Autos, die nicht schneller fahren können als ein Fußgänger geht; trotzdem sind Autos die im Durchschnitt deutlich schnelleren Verkehrsteilnehmer.

… „Wir müssen Wege finden, um der Exklusivität und Vormachtstellung ‚biologischer‘ Eltern im Leben von Kindern entgegenzuwirken.“

Erstmal, wie soll das aussehen? Werden Bio-Eltern zu reinen Ei- bzw. Samenspendern degradiert? Weiterhin, genug Samenspender kriegt man wohl, aber warum würde jemand Eispenderin werden wollen ohne die „Exklusivität und Vormachtstellung“? Ich rate mal und sage: „Geld“ Mehr Kapitalismus wagen.

Kern dieser Revolution ist die Überwindung der Familie, eine Forderung, mit der Lewis längst nicht allein ist.

Ja. Ihr dürft gerne in einer Schwangerschaftskommune leben. Freies Land und so.

Sie bezieht sich auf eine Reihe junger queerer Theoretikerinnen, die dazu forschen und schreiben. Jules Joanne Gleeson und Kate Doyle Griffiths zum Beispiel, die 2015 einen Essay mit dem Titel Kinderkommunismus veröffentlichten, „eine Analyse der Beziehungen zwischen Familie, Gender und der Reproduktion des Kapitalismus“.

Jaaa, es gibt einen Zusammenhang zwischen Familie, Geschlecht und Reproduktion. Und ich wette, theoretisch wissen queere Personen auch, welchen… Achja, wenn ich „Kinderkommunismus“ lese, denke ich an Jugendweihe und freue mich, auf der anderen Seite des Zauns großgeworden zu sein.

Oder die in Sydney lehrende Professorin Melinda Cooper, die in ihrem Buch Family Values aufzeigt, wie zentral die „Kernfamilie“ nicht nur für „sozial Konservative“, sondern auch für Neoliberale sei (in der Boston Review erschien ein Essay, der aus dem Buch destilliert war). Im Mittelpunkt beider Ideologien stehe am Ende, wie Cooper erklärt, immer noch die weiße, heterosexuelle Familie, als moralische und ökonomische Norm.

Ähh, ich bezweifle, dass Sozial-Konservative oder Neoliberale dagegen sind, dass auch Schwarze Familien gründen, Kernfamilien oder andere. Manche vllt. schon, aber die überwiegende Mehrheit nicht. Weiterhin sind Leihmutterschaften für männliche Homosexuelle ein sehr offensichtliches Mittel, eine Familie zu gründen. Es gibt sicher viele Homosexuelle, die keine Familie wollen, aber die, die eine wollen, werden sich in dieser Frage sicherlich im konservativen und/oder neoliberalen Lager finden.

Und wenn sehr unterschiedliche politische Lager sich in einer Sache einig sind, könnte das evt. einen plausiblen Grund haben. Sozial-Konservative, Neo-Liberale, Schwarze und männliche Homosexuelle sind z.B. auch alle der Ansicht, dass der Mensch Sauerstoff und Wasser braucht.

Auch die Berliner Philosophin Bini Adamczak näherte sich in ihrem Buch Beziehungsweise Revolution (Suhrkamp, 2017) … bereits Ideen zu einer familienlosen Gesellschaft. „Wenn Kinder von großen demokratischen und antiautoritären Institutionen aufgezogen werden, Essen nicht mehr in Kleinküchen, sondern öffentlichen Kantinen zubereitet wird, Alte und Kranke nicht länger von sogenannten Angehörigen gepflegt werden und die Reinigung der Wohnungen nicht mehr privat organisiert wird“, schrieb Adamczak, „dann ist die Familie gänzlich überflüssig.“

„Bereits“ vor zwei Jahren. Mm-hmm. „Große Institutionen“ sind selten antiautoritär; wenige oder nur eine erziehungsberechtigte Institution pro Land ist außerdem das Gegenteil von Meinungsvielfalt, was eine Voraussetzung von Demokratie ist. Öffentliche Kantinen sind ja gut und schön, aber vllt. WILL ich nicht in der Öffentlichkeit essen, ob man als „sogenannte“ Angehörige Alte und Kranke pflegt, oder die Pflegekräfte direkt oder indirekt mit dem Geld bezahlt, was man verdient, weil man der Zeit, in der man sonst kranke und alte „sogenannte“ Angehörige bezahlt, kommt einem vllt. total egal vor, die Pflegebedürftigen sehen das aber möglicherweise anders. Aber hey, öffentlich gestellte Putzkräfte! Immer her damit!

Aber jau, das Thema ist älter:

Die Kritik der Familie ist mindestens so alt wie die Kritik am Kapitalismus. Bereits Karl Marx und Friedrich Engels stellten in ihrem Kommunistischen Manifest fest, dass Frauen im Kapitalismus zu „bloßen Produktionsinstrumenten“ degradiert seien, Kinder ausgebeutet würden und der Schutz der Familie nie für alle Klassen und Milieus gelte. „Die bürgerlichen Redensarten über Familie und Erziehung, über das traute Verhältnis von Eltern und Kindern werden um so ekelhafter, je mehr infolge der großen Industrie alle Familienbande für die Proletarier zerrissen und die Kinder in einfache Handelsartikel und Arbeitsinstrumente verwandelt werden“, hieß es damals, 1848.

Ja. 1848. Als Frauen noch nicht wählen durften. Und Männer nur so ein bisschen. Und Kinderarbeit legal war – habt ihr eigentlich alle „Heidi“ gesehen, liebe Kinder? Heidis Job in Frankfurt war für damalige Verhältnisse Oberklasse.

Hier werden aber zwei Probleme gemischt: Die mäßig ideale Umsetzung von Familie für die Bürgerschicht und die massiven Nachteile für Kinder des Proletariats. Zumindest letzteres ist zumindest hier und heute nicht mehr so.

… Der Psychoanalytiker Wilhelm Reich (dessen Lehren mitunter problematisch waren) bezeichnete die kleinbürgerliche Familie in seinem Buch Die Massenpsychologie des Faschismus im Jahr 1933 als „zentrale reaktionäre Keimzelle“. In der Familie, schrieb Reich, würden Kinder zu autoritätsfürchtigen und staatshörigen Menschen geformt, die aufgrund ihrer Triebunterdrückung anfälliger für Militarismus und Sadismus seien. …

Und für die Schrecken des Ödipuskomplexes. Hallo, Antigone.

Ähnlich las sich auch der Sozialforscher Max Horkheimer, der in seinem Essay Autorität und Familie drei Jahre später von der Familie als „Keimzelle des Faschismus“ sprach.

Ja, Mutterkreuz und so. Aber nur mit den „richtigen“ Genen. Außerdem hatten die Nazis auch Hitlerjugend und BdM gegründet, weil sie sich genau nicht darauf verließen, dass Menschen, die in einer Kernfamilie aufwuchsen, zu strammen Faschisten heranreifen. Und die Nazis kannten sich ja wohl besser mit Faschismus aus als Horkheimer. Hoffe ich.

„Der kaukasische Kreidekreis“, [ein Drama,] das Bertolt Brecht im kalifornischen Exil während der Jahre 1944 und 1945 verfasst hat, … diskutiert, wie willkürlich und zugleich banal Institutionen wie der Staat, die Ehe und eben auch die Familie sein können. Wir Menschen waren es, betont Brecht, die diese Strukturen geschaffen haben, nicht etwa die Natur, die ja so oft herhalten muss als Grund, wenn erworbene oder geschenkte, aber eben nicht naturgegebene Privilegien verteidigt werden.

Ja. Dieselben Menschen, die sich vor der Natur schützen. Wenn ich das Privileg habe, in einem Haus zu wohnen statt im Wald, ist die Tatsache, dass das Haus nicht naturgegeben ist, kein Argument, es mir wegzunehmen.

… Als der Krieg vorbei ist, kommt die Gouverneurin zurück und will ihr Kind wiederhaben. Doch ist es überhaupt noch ihr Kind?

Die Situation, dass ein Elternteil sein Kind verliert, weil es sich lieber selbst in Sicherheit bringt, ist eher ungewöhnlich. Daraus Schlussfolgerungen auf Familie und Elternschaft zu ziehen, ist eher gewagt. Aber gut, Brecht denkt mit (denn hier ist die Governeursfrau die „Leihmutter“, die soziale Mutter ist die Magd):

Der kaukasische Kreidekreis zeigt noch etwas anderes, etwas, das die Familienabolitionisten von Engels bis Lewis verbindet: die Analyse, dass Ordnung und Recht, so sie von Privilegierten eingesetzt wurden, nie ohne Unordnung und Unrecht gegenüber Unterprivilegierten funktionieren.

Ach, das ist trivial: wenn ein Recht nur für einige gilt, sind diese privilegiert und alle anderen nicht. Dann ist es aber nicht mehr unbedingt gerecht. Und evt. auch keine Ordnung mehr. Man könnte das Szenario aber auch anders konstruieren – die Magd lässt ihr Kind zurück und die Frau des Governeurs zieht es groß. Würde es trotzdem der Magd zugesprochen?

„Nicht der Anspruch der ‚richtigen‘ Mutter auf das Kind ist entscheidend, sondern der Anspruch des Kindes auf die richtige Mutter“, schreibt der Literaturhistoriker Klaus-Detlef Müller

Gibt’s Balsam nicht in Gilead? Uups, falsche Story.

Von Brecht ist in Lewis‘ Buch keine Rede, genauso wenig vom Anspruch der Kinder auf die beste Mutter. Wenn es nach der Autorin geht, wären Neugeborene im Besitz von niemandem – und wären zugleich die „Verantwortung von allen und jedem“, wie sie schreibt.

Tja, „alle und jeder“ sind nicht die besten Mütter. Oder Väter, falls es wen interessiert. Und man will Verantwortung auch lieber übernehmen, anstatt sie einfach zugeschrieben zu bekommen. Schade, dass Brecht da fehlt.

Familien haben ein Innen, den oft behüteten Raum. Aber eben auch ein Außen. … Und bis heute, auch dafür versuchen Abolitionisten zu sensibilisieren, bietet der sogenannte Schoß der Familie längst nicht allen die gleiche Sicherheit. Anfang Juli veröffentlichten die Vereinten Nationen eine Studie, der zufolge im Jahr 2017 rund 87.000 Frauen weltweit getötet wurden – deutlich mehr als die Hälfte (rund 50.000) von ihrem (Ex-)Partner oder von Familienangehörigen.

Es werden deutlich mehr Frauen (und Mädchen) pro Jahr weltweit getötet. Und ja, auch von Familienangehörigen. Die Konsequenz wäre, dass niemand gezwungen/genötigt werden sollte, Teil einer Familie zu werden. Eine Familie ist aber nicht automatisch gefährlich, im Unterschied bspw. zum Rauchen. Aber zumindest hierzulande ist es illegal, Hochzeiten zu erzwingen, von daher muss man Familien nicht verbieten.

… Wenn weiße Ehepaare sich auf ihre Karriere konzentrieren können, weil oft nicht weiße Frauen auf deren Babys aufpassen und den Haushalt erledigen, dann ist das Ausdruck politischer Ungleichgewichte.

DAS Problem hätte man aber auch ohne Familie. Wenn weiße kinderlose Singles sich auf ihre Karrieren konzentrieren können, weil oft nicht-weiße Frauen ihren Haushalt machen, wäre das dasselbe Ungleichgewicht. ODER, dass meine Eltern sich auf ihre Laufbahnen konzentrieren konnten, lag daran, dass meine Oma auf mich aufgepasst hat, denn Familie bedeutet 1. nicht unbedingt nur „Kernfamilie“, und 2., in einer Gesellschaft ohne Familien gäbe es Leute, die hauptberuflich Kinder hüten und Leute, die hauptberuflich Häuser bauen. Bekämen beide Gruppen gleichviel Geld?

Die Verteidigung dieses Systems funktioniert dabei in etwa so wie die Verteidigung der oft bemühten Leitkultur – sie wird in erster Linie von denen übernommen, die am stärksten davon profitieren.

Achwas? Anders wär‘ ja auch asi, oder? „Ja, ne, wir Homosexuellen profitieren am meisten von der Ehe für Homosexuelle, aber könntet Ihr Heteroas bitte trotzdem die Verteidigung selbiger übernehmen, ja? Dankeschön!“

„Familienabolition bedeutet für mich die Vervielfältigung von Beziehungen und nicht der Abbau von Beziehungen“, sagt Lewis.

Schön für Lewis. Die Kritik an einem System kommt komischerweise immer von denen, die am wenigsten davon profitieren. Fürs Protokoll:

Es ist ein genereller Unterschied, wenn Lewis oder sonstwer sagt:  „Familie ist nicht wichtig für mich. Ich habe genug andere Beziehungen.“ oder ob jemand sagt: „Weil meine Familie scheiße ist, ist ‚Familie‘ generell scheiße und sollte abgeschafft werden.“ Und richtig mies wäre: „Obwohl meine Familie mir eine schöne Kindheit ermöglicht hat, halte ich Familien für schädlich und will anderen Kindern die Chance auf eine so schöne Kindheit wie meine nehmen.“

Ja, manchmal lässt sich eine Idee am besten durch ihre Gegner verstehen. In diesem Fall sind es unter anderem Männerrechtler, die sich als Familienrechtler ausgeben.

Wieso „ausgeben als“? Wer sich für ein Recht auf Familie ausspricht, ist ein Familienrechtler. (Seehofer eher nicht, aber der ist auch eher kein Männerrechtler…)

Ich bin glücklich, in einer Familie großgeworden zu sein. Ich bin traurig, weil andere Familien nicht so waren wie meine. Aber so oder so bin ich mir sicher, dass Faschisten beiderseits des Spektrums erst glücklich sind, wenn die Reproduktionsmittel ihrer „Bürger“ komplett in Faschohänden sind. (Keine Ahnung, ob Lewis das will.)

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