Zukünftiger Feminismus in Hollywood-Mega-Blockbustern

Nun, ich weiß auch nicht, wie der nächste Star-Wars-Film sein wird. Eine diversere Besetzung gut und schön, aber bei Star Wars hieße das: mehr nicht-menschliche Charas. Mehr Menschenfrauen ist jetzt NICHT der Grund, weshalb man sich Star Wars anschaut. Ähnliches gilt für Schwarze – offensichtlich gibt es schwarze Menschen in der Star-Wars-Galaxis, aber das hat allen Anschein keinen rassistischen, post-kolonialistischen, kolonialistischen oder sklavenhaltergesellschaftlichen Hintergrund. Nicht in einer Galaxis, in der offenbar auch nicht-weiße Menschen versklavt werden, in der es Roboter als billige Arbeitskräfte gibt und in der es auch viele intelligente, nicht-menschliche Lebensformen gibt, von denen einige auch als Sklavenhalter besagter weißen Menschen auftreten. Soll nicht heißen, dass es bei SW keinen Rassismus oder Sexismus gibt, dergleichen hat aber andere Hintergründe, andere Auswirkungen und ist vermutlich auch von Planet zu Planet verschieden.

Aber egal, man kann ja argumentieren, dass GERADE, weil bei SW „Rassismus“ und „Sexismus“ ganz anders ist als auf unserem Planeten, sollte oder müsste man mehr Frauen, Schwarze und evt. auch Homosexuelle zeigen. Also aus künstlerischen Gründen, weil das eben zum Weltenbau gehört. Oder weil die Story spannender, interessanter, origineller oder sonstwie besser wird, als mit Wham #136.485.

Warum genau sollte Hollywood auch sonst mehr Frauen, Nichtweiße und/oder Homosexuelle in Großproduktionen vorkommen lassen?

  1. es ist die Aufgabe von Hollywood, cis-hetero-normativen männlichen Weißen zu zeigen, dass es auch andere Menschen gibt
  2. es ist die Aufgabe von Hollywood, cis-hetero-normativen männlichen Weißen zu zeigen, dass es andere Menschen gibt UND dass diese mehr im richtigen Leben vorkommen sollten/müssen
  3. es ist Aufgabe von Hollywood, cis-hetero-normativen männlichen Weißen zu zeigen, dass cis-hetero-normative männliche Weiße das Problem und alle anderen die Lösung sind
  4. nur cis-hetero-normative männliche Weiße können sich mit cis-hetero-normativen männlichen weißen identifizieren, alle andere können das nicht und fallen daher als Publikum aus
  5. es können sich zwar auch solche Menschen mit cis-hetero-normative männlichen Weißen identifizieren, die min. eine der aufgezählten Eigenschaften nicht teilen, aber sie wollen das nicht
  6. sie wollen das schon, aber nach dreiunddrölfzig cis-hetero-usw-Hauptpersonen boykottieren sie den Scheiß einfach
  7. die Fähigkeit von cis-hetero-normativen weißen männlichen Produzenten, Drehbuchschreibern und Regisseuren, sich in andere Menschen hineinversetzen, auch Empathie genannt, würde sie als Mensch und Künstler weiterbringen, wenn sie sie kultivieren, pflegen und umsetzen

Zu 1.) muss man sagen, dass die allermeisten chnwm das wissen. Die, die das nicht wissen, werden das aber nicht ausgerechnet daran erlernen, dass sie das in einem Film mit Wookies, Droiden und/oder Weltraumkraken sehen. Also Bildungsauftrag gut und schön, aber die SF/F/Horror/wasauchimmer-Mega-Blockbuster stellen ganz offensichtlich nicht die Wirklichkeit dar. (Aber etwas plausibler wäre schön – warum haben Rebellenschiffe nicht nur keine Steuer-Droiden, sondern noch nicht einmal einen Autopiloten, so dass ein intelligentes Lebewesen bis zuletzt an Bord bleiben muss? WARUM!?!) Weiterhin, welche Mega-Blockbuster WOLLEN unsere Wirklichkeit wiedergeben? Oder, welchen Mega-Blockbuster schaut man sich an, weil er so realistisch ist? Wenn in einem Krimi, der sagen wir in der New Yorker High Society spielt, Leute vorkommen, in denen sich die New Yorker High Society einigermaßen wiederfindet, ist das ja schön, aber auch nicht immer so.

Zu 2.) jaa. Welche Mega-Blockbuster WOLLEN zeigen, wie unsere Wirklichkeit aussehen sollte? Eigentlich zeigen sie entweder, wie unsere Wirklichkeit NICHT aussehen sollte (z.B. mit Mord und Totschlag), oder wie eine ganz andere Wirklichkeit aussieht, eben die Star-Wars-Galaxis oder Westeros. Oder irgendeine andere Welt, die nicht direkt als „ideal“ oder „wünschenswert“ dargestellt oder wahrgenommen wird.

Zu 3.) das ist Pädagogik. Moralisierende Pädagogik. Für Erwachsene. Wer geht ins Kino, um sich eine Moralpredigt anzuhören, wenn man in der Kirche Moralpredigten gratis kriegt? Niemand. Ach stimmt nicht, evt. kommen Leute und hören sich Moralpredigten an, deren Ziel sie eindeutig NICHT sind, um sich besser zu fühlen oder sich ihre Vorurteile bestätigen zu lassen. D.h., wenn man Kinofilme als Vehikel benutzt, um Leuten Vorwürfe zu machen, kommen nur die, die die geplante Lektion nicht beibringen muss. Schlau.

Zu 4.) das wäre schlimm. Wenn Menschen sich nur in solche anderen Menschen hineinversetzen könnten, die so sind wie sie selbst, wäre das ein ernsthaftes Problem für jedes Miteinander. Gilt auch für den Fall, dass chnwm Menschen sich nur in chnwm-Charas hineinversetzen können.

Zu 5.) das wäre nicht SO schlimm, aber andererseits, wenn nicht-chnwm sich nicht in chnwm Charas hineinversetzen wollen, aber die chnwm sich umgekehrt in nicht-chnwm Charas, hieße das nicht, dass chnwm-Menschen toleranter wären? Immerhin identifizieren sie sich notfalls auch mit Wookies, Robotern oder auch Lehesu, dem Oswaft.

Zu 6.) hier sind wir bei der Gretchenfrage: gibt es Menschen, die Mega-Blockbuster nur deshalb nicht sehen, weil nicht explizit Menschen ihrer Gruppe darin vorkommen? Wenn ja, wie viele sind das? Es gibt bestimmt Männer, die sich den letzten Ghostbuster-Film nur deshalb nicht angesehen haben, weil der vier Frauen als Hauptpersonen hatte (und nicht, weil der Film Schwächen hatte, die damit nichts, aber auch gar nichts zu tun hatten). Für die Produzenten wäre das dennoch ein Plus, wenn dafür mehr Frauen in den Film gegangen wären, die ihn sich NICHT angesehen hätten, wenn das eine Neuverfilmung oder Fortsetzung mit Männern gewesen wäre. Aber war das so? (Nur weil eine Kritik am Film, nämlich „Frauen“, unfair und dämlich ist, ist nicht automatisch JEDE Kritik daran dämlich oder unfair.) Heißt nebenbei auch, dass, wenn man Frauen im allg. oder feministische Probleme insbesondere häufiger in Hollywood-SF/F/Horror/Gottweißwassonstnoch-Filmen sehen will, dann reicht es nicht, eine vorkommende Frau als Hauptrolle zu loben. Man muss eine Karte kaufen. Wie bei dem Witz von Kohn, der so gerne im Lotto gewinnen würde.

zu 7.) hahaha. Nein. Hollywood-Mega-Blockbuster dienen der Generierung von Einnahmen. Wenn mit dem chnwm-Publikum am meisten Geld zu verdienen ist, werden Filme gedreht, die sich an diesen orientieren. Bzw. Filme, die sich an anderen Gruppen orientieren, werden anhand der potentiellen Gewinnerwartung der jeweiligen Zielgruppe budgetiert.

Ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte mit Rey ausgeht. Vllt. wird auch sie mal sagen, dass ihre Gefühle ihre Stärke sind, und nicht ihre Schwäche, wie Jean Grey/Dark Phönix. Dies aber wäre eher eine Sith-Botschaft. Kann sein, dass Rey schließlich eine Sith wird. Kann sein, dass sie eine neue Fraktion von Machtnutzern gründet, oder eine neue philosophische Richtung neben Sith und Jedi. Wäre ja cool. Aber bis dato ist die Jedi-Philosophie eben, seine Gefühle im Griff zu haben. Lukes Fehler mit Ben z.B. war, dass seine Gefühle (hier: Angst) zu etwas Unüberlegten führten, wodurch sich Ben gegen ihn stellte (selbsterfüllende Prophezeiung), es wäre ein ziemlicher Bruch, wenn die Botschaft PLÖTZLICH ins Gegenteil verkehrt wäre. Und „Gefühle sind Deine Stärke“ wird hoffentlich nicht als „feminisitische“ Botschaft gesehen. Kennt Ihr, liebe Kinder, die Stelle, wo der Hulk seine Gefühle und damit seine Kräfte besser im Griff bekam? War das nicht ein schönes Ende für Banners Charakterbogen? Oder wie Captain Marvel ihren schon gerechten Zorn immerhin soweit in den Griff bekam, dass sie nicht alle umbrachte? Im Unterschied zu Anakyn Skywalker oder Dark Phönix? Ich wette, ihre Opfer wären superglücklich gewesen, wenn die letzteren beiden weniger Gefühle ODER weniger Superkräfte gehabt hätten. (Möglicherweise wäre die „feministische“ Botschaft, dass Gefühle für solche Menschen eine Stärke seien, die keine anderen Stärken haben wie „telekinetisch ein paar Tonnen Masse zu bewegen“ oder ein paar andere Mordmethoden. Oder dass Gefühle genau dann eine Stärke sind, wenn sie kanalisiert werden.)

Und JA, manche Männer werfen Frauen zu viel „Emotionalität“ vor. Daraus abzuleiten, dass Frauen tatsächlich (sei es von Natur aus oder kulturell bedingt) emotionaler sind, dass das aber ein Vorteil gegenüber Männern sei, ist aber, ich sag mal, gewagt.

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