Star Wars und Feminismus

Wie alte Karten es formulieren: Hir seyen Spoyler!

Im Unterschied zum Vorgänger-Beitrag hat die neue Star Wars Trilogie den Vorteil, sich nicht feministisch frisieren zu müssen. Ok, sie ist schon recht mary-suig, und man stellt sich zurecht die Frage, warum es überhaupt jemals so etwas wie Jedi-Schüler gab, die im Kindergartenalter damit anfingen, wenn sie doch alles von allein beherrscht. (Meine Vermutung wäre, dass sie ein Naturtalent auf dem Gebiet der Retrokognition ist; seitdem sie dieses Laserschwert angefasst hat, kann sie alles, was die Vorbesitzer konnten.) Jedenfalls wird aber kein Drama daraus gemacht, dass sie eine Frau ist, und ihre Gegner alles Männer, bis auf Captain Phasma. Und vermutlich jede Menge Sturmtruppler, die nie den Helm absetzen.

Und außerdem fühlt sie sich unsicher. Und nicht in Mary-Sue-Art: „Meine Schönheit ist mein Fluch!“, sondern wegen ihrer Herkunft, ihren Eltern und zig anderen Sachen. Das erdet sich und macht sie bei aller Machtkompetenz sympathisch. Deshalb gefiel mir der Teil von „Die letzten Jedi“, der Reys „Lehre“ bei Luke thematisiert, viel besser als der andere Teil. (Ernsthaft, „Das Imperium schlägt zurück“ gilt vielen als der beste Beitrag zum Star-Wars-Franchise, einschließlich nicht nur der anderen Filme, der Fernsehserien, der Computerspiele, Bücher, Comics und Brotdosen, sondern auch als einer der besten SF-Filme und als einer der besten Filme, die eine Fortsetzung sind. Die Handlung von DIsz zu kopieren, war vllt. ein Schritt in die falsche Richtung.) Also der Teil ohne Rey und Chewie. Der Teil stört mich aus ganz unterschiedlichen Gründen, und auch wenn mir jetzt jemand wieder sagen wird, dass das nur ein Film ist, ein Film, in dem überlichtschnelle Reisen, Telekinese und noch ein paar andere Sachen vorkommen, jaaa, meiner Meinung nach sollten Filme, die nicht direkt in Eintracht mit bekannten Eigenschaften unserer Welt leben, besonders auf die Logik achten. Wenn man die Prämissen ändert, ist es umso wichtiger, dass die Konsequenzen nachvollziehbar sind und bleiben.

Jetzt ist die Gretchenfrage natürlich: ist Star Wars jetzt feministisch? Hier wird – unter Umgehung des Begriffes der toxischen Männlichkeit, vermutlich eingedenk der Tatsache, dass kein Mensch toxisch ist – gesagt, dass das so sei. „Berufsheißsporn“ Poe – der Typ, der seinen Robotor so lieb hat wie andere Leute ihren Hund, also durchaus mehr Gefühle zeigt als „Wut“, „Durst“ und „Wurst“ – ist demzufolge das schlechte Beispiel im Vergleich zur Admiralin Holdo. Ok, Nachdenken ist die bessere Lösung (und, genau genommen, sollten alle denken, dass es einen Verräter oder eine Verräterin an Bord gibt, und man mit Infos extrem vorsichtig sein sollte, aber HEY, ich habe das Script nicht geschrieben, was weiß ich schon?), also, wie löst Holdo das Problem? Mit eine Kamikazeaktion. Die Szene kippt in meinem Kopf immer zwischen super gut und super doof (aus ganz anderen Gründen, die mehr mit dem Weltenbau zu tun haben) hin und her. Hin und her. Hin. Und her. Es reicht also nicht, sich in ein Raumschiff zu setzen und etwas zu zerstören, wie Poe das macht, man muss sich in ein Raumschiff setzen und ALLES zerstören. Ok, alles klar. Männer sind also zu egoistisch, um sowas durchzuziehen, und überlassen die allergefährlichsten Sachen den Frauen.

Fairerweise, es IST schon feministisch und maskulistisch zugleich zu zeigen, dass nicht immer nur Männer das Kanonenfutter sein müssen. Inspiriert von dieser Botschaft stürzt sich später Finn in eine weitere Kamikaze-Aktion. Gegen seine ehemalige Kameraden. Sicher ein brutales, aber schlüssiges Ende für seinen Charakterbogen. Aber nein, er wird von seiner neuen Freundin davon abgehalten. Was theoretisch nur dazu geführt hätte, dass Finn ein paar Minuten länger lebt und Rose ein paar Minuten kürzer, aber das ist ja nur ein Film.

Die Aktion soll wohl zeigen, dass auch Frauen nicht immer den Durchblick haben.

(Nebenbei wird in diesem Film erklärt, dass der Sieg der Liebe aus „Die Rückkehr der Jediritter“ auch nicht immer funktioniert. Ihr wisst schon, wo Luke Skywalker das Problem nicht mit Gewalt gelöst hat? Ja, kann ja nicht immer klappen.)

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