Maskulistin in 40 Schritten

Ruhm und Ehre der mächtigen Stokowski.

Um Maskulistin zu werden, ist die eigene Einstellung zur Abtreibung egal. Einige der patriarchaischsten Gesellschaften haben oder hatten liberale Abtreibungsregelungen. Andrerseits kann darf man natürlich auch als Maskulistin der Ansicht sein, dass Abtreibungen nicht bis zum 21. Monat erlaubt sein sollten. (Ja, eine Schwangerschaft dauert nicht so lange beim Menschen. Ich wa-heiß…)

Aber in Anlehnung an das Kapitel zuvor:

Maskulistin in 40 Schritten.

  • 1. Erwarten Sie keine kostenlose Nachhilfe von irgendwelchen Männern in Sachen Maskulismus. Ich nehme 70 €/h.
  • 2. Lesen Sie Bücher von Männern, sehen Sie Filme von Männern, hören Sie Musik von Männern. Wie, das haben Sie schon die ganze Zeit gemacht? Na, sehen Sie.
  • 3. Behaupten Sie nie wieder, Männer wären nur für alles Schlechte in der Welt verantwortlich. Googeln Sie Pasteur, oder Gandhi, oder Dunant, oder googlen sie einfach. Wenn ich das machen soll, will ich 50 € Mindestsatz.
  • 4. Lesen Sie weiter, auch wenn Sie ungern belehrt werden, vielleicht kommt am Ende raus, dass Sie längst Maskulistin sind.
  • 5. Fragen Sie sich, ob es einen Mann gibt, der Ihr Vorbild ist. Wenn Ihnen nur Ihr eigener Großvater einfällt, fragen Sie sich, warum das so ist.
  • 6. Lassen Sie Männer ausreden. (Frauen aber natürlich auch!)
  • 7. Unterbrechen Sie Frauen, die Männer unterbrechen. Unterbrechen Sie aber auch Männer, die Männer unterbrechen. Warten Sie anderthalb Sekunden ab, und fangen DANN wieder an zu reden. Irgendwer wird gedacht haben, dass Sie nichts mehr sagen wollten, und gleichzeitig mit Ihnen anfangen. Was dieses Durcheinander mit Maskulismus zu tun haben soll? Keine Ahnung, ich finde es einfach witzig.
  • 8. Glauben Sie Männern, wenn sie von ihren Erfahrungen berichten, auch wenn es Ihnen schwerfällt. Sie glauben ja auch immer allen Frauen alles, oder?
  • 9. Geben Sie Männern keine unerbetenen Ratschläge und vor allem keine, die Sie bei Frauen unangemessen fänden. Diese Liste zählt nicht dazu, weil gleiches Recht für alle gilt.
  • 10. Fangen Sie keine Sätze an mit „Ich könnte deine/Ihre Mutter sein,…“ (Mater semper certa).
  • 11. Beenden Sie auch keine Sätze so. (Evt. können Sie das mitten im Satz verwenden.)
  • 12. Kommentieren oder berühren Sie die Körper oder Kleidung von Männern nicht, es sei denn, der Mann fordert sie explizit dazu auf; Ausnahme ist das Händelschütteln, wenn Sie ihm die Hand entgegenstrecken und er sie ergreift, oder medizinische Notfälle. Wenn Sie denken, dass Sie dann ja gar nichts Nettes mehr sagen können, dann lassen Sie es einfach. Wer braucht das?
  • 13. Sagen Sie Männern mit kurzen Haaren oder Fingernägeln nicht, dass Sie lieber lange Haare oder Fingernägel mögen. Gilt auch für Barthaare. Ausnahme ist, wenn Sie das mögen UND in ein paar Wochen, wenn er sich die Dinger nur Ihretwegen hat wachsen lassen, immer noch was von ihm wollen. Sagen Sie geschminkten Männern nicht, dass Sie lieber ungeschminkte mögen. Der Mann weiß das und hat sich vermutlich nicht für Sie geschminkt. Und falls doch, schminkt er sich eben ab.
  • 14. Laufen Sie nachts nicht dicht hinter fremden Männern her, auch wenn Sie den gleichen Weg haben. Gehen Sie langsamer oder auf der anderen Straßenseite. Wirklich.
  • 15. Bezahlen Sie Männer für ihre Arbeit, mindestens so viel wie Frauen. Also auch Ihren männlichen Fensterputzer besser als Ihre Frauenärtzin. Keine Ahnung, woher Sie das Geld nehmen, es geht ums Prinzip. Bezahlen Sie notfalls ihre Frauenärztin schlechter als den Fensterputzer, wenn der männlich ist. Oder gehen Sie zu einem Frauenarzt, dann ist es egal. Die meisten Maskulisten bezahlen überhaupt keine Frauenärztinnen.
  • 16. Geben Sie Ihrem Sohn mindestens so viel Taschengeld wie Ihrer Tochter im selben Alter.
  • 17. „Helfen“ Sie Ihrem Partner nicht beim Geldverdienen. Verdienen Sie einfach das Gleiche. Oder mehr. Gilt auch bei einer Partnerin.
  • 18. Denken Sie nicht, dass Sie schon Maskulist sind, weil Sie nett zu Ihren männlichen Familienangehörigen sind.
  • 19. Fordern Sie Männer, ob sie lächeln oder nicht, niemals auf, Ihre Gefühle zu zeigen.
  • 20. Oder, wenn Sie es bei Männern nicht lassen können: Fordern Sie auch mal Frauen auf, ihre Gefühle zu zeigen und fühlen Sie mal, wie übergriffig das ist.
  • 21. Wann immer Sie unsicher sind, ob Sie etwas Sexistisches sagen oder tun, machen Sie die einfachste Sexismusprobe, die es gibt: Vertauschen Sie im Kopf die Geschlechterrollen und schauen Sie, ob es merkwürdig wird. Bis hierhin haben Sie 20 solcher Proben gelesen, und spüren Sie schon, wie die Macht der Geschlechtertauschprobe durch Ihre Adern fließt?
  • 22. Wenn Sie ein Baby kriegen, nehmen Sie nicht mehr als die zwei Monate Elternzeit. Wenn Sie mehr als die zwei Monate nehmen: Fahren Sie nicht zwei Monate nach Thailand. Und schreiben Sie während der zwei+ Monate kein Buch/ Blog darüber, was für ein neuer Mensch Sie in dieser Zeit geworden sind.
  • 23. Sagen Sie lieber nicht, dass Sie so richtig verstanden haben, wie viel Ungerechtigkeit es noch gibt, seit Sie einen Sohn haben. Also, sagen Sie das ruhig, aber seien Sie sich bewusst, dass Sie damit sagen, dass Sie sich nie richtig mit Ihrem (soweit vorhanden) Vater, Mann, Bruder, ihren Freunden und Bekannten beschäftigt haben.
  • 24. Informieren Sie sich über Depression, Verhütung, Geschlechtskrankheiten und natürlich Arbeitsunfälle. (DAS Thema ist mir so wichtig, dass der Link jetzt gratis ist.) Dass man Medikamente überwiegend an Männern testet, liegt daran, dass man lieber Männer als Frauen zu Versuchskaninchen erklärt, die sind nicht so niedlich wie echte Kaninchen. Und über Schlaganfälle, Herzinfarkte, hypo- und hyperglykämischen Schock und andere Dinge, die ich in der Zivilsdienstschule hatte. Das ist auch nützlich für #12.
  • 25. Falls Sie etwas mehr Zeit haben: Werden Sie Hebamme. (Haben Sie nicht, ist klar.)
  • 26. Lachen Sie nicht mit, FALLS Ihre Kolleginnen oder Freunde männerfeindliche Witze machen. Merken Sie sich den Satz „find ich nicht lustig“. Wenn Sie unsicher sind, ob ein Witz männerfeindlich ist, machen Sie die Geschlechtertauschprobe. Die Macht selbst des Todessternes ist irrelevant im Vergleich zu der Macht, die einer oder einem die Geschlechtertauschprobe verleiht.
  • 27. Keine Ahnung, wie viele Männer am Arbeitsplatz sexuell belästigt werden, weil viele sich nicht trauen, das zu melden, oder wenn doch, werden sie ausgelacht. Belästigen Sie einfach keine Männer. Weder am Arbeitsplatz noch sonstwo. Das qualifiziert Sie nicht nur als gute Maskulistin, sondern auch als guten Menschen.
  • 28. Wenn Sie Belästigung oder andere Übergriffe beobachten, gehen Sie dagegen vor. Tun Sie das, ohne für die Betroffenen zusätzlich belastend zu werden. Wie Sie das hinkriegen, weiß ich auch nicht. Aber machen SIE!
  • 29. Erklären Sie Maskulisten nicht, dass es eigentlich „Humanismus“ heißen müsste und nicht „Maskulismus“. Seien Sie am besten gleichzeitig auch Humanistin.
  • 30. Geben Sie zu, wenn Sie von etwas keine Ahnung haben. Das ist pures Gold.
  • 31. Nennen Sie Männer nicht „Schweine“, oder alternativ: Nennen Sie Frauen auch „Kühe“. Aber lieber das Erste. (Ausnahme wäre evt., wenn Sie die Ärzte zitieren.)
  • 32. Sehen Sie Männer nicht als Vertreter einer anderen Spezies als Ihrer eigenen. Wenn Ihnen ein Maskulist nicht passt, sagen Sie nicht: „Wegen Ihnen kann ich Maskulismus nicht mehr ernst nehmen.“ Das ist nur peinlich. (Das sind eigentlich zwei Punkte, aber egal.)
  • 33. Erwarten Sie keine eindeutigen, endgültigen Antworten auf Ihre Fragen, denn Maskulismus ist eine extrem vielfältige Bewegung und es gibt darin die unterschiedlichsten Positionen. Ausführliche, aber vorläufige Antworten, die mehr als eine Möglichkeit beinhalten können, kriegen Sie aber für ab 50 €.
  • 34. Nennen Sie nie wieder einen Mann toxisch, oder alternativ: Nennen Sie Frauen radioaktiv. Kein Mensch ist toxisch. Wenn Sie jetzt meinen, dass ja nicht Männer direkt, sondern nur Männlichkeit toxisch genannt wird, und noch nicht einmal jede Art von Männlichkeit, ja nee, das ist offensichtlich eine haarspalterische Ausrede. Aber reden Sie meinetwegen von radioaktiver Weiblichkeit.
  • 35. Wenn Männer etwas kritisieren, nennen Sie sie nicht überempfindlich. Wenn Sie Maskulisten anstrengend finden, fragen Sie sich, warum genau. (Das sind wie #32 ebenfalls zwei Punkte – Männer und Maskulisten sind zwei nicht-identische Gruppen.)
  • 36. Daten Sie auch Männer, die weniger verdienen als Sie. Falls Sie denken, wegen des GPGs gibt’s die nicht, tja. Daten Sie halt Arbeitslose. Falls Sie gar nicht auf Männer stehen – tschuldigung, Frau Stokowski hat mit diesem heteronormativen Mist angefangen, aber das soll natürlich keine Ausrede sein – falls Sie nicht auf Männer stehen, daten Sie eben arbeitslose Frauen. Die sind bei „Arbeitslose“ nämlich mitgemeint.
  • 37. Machen Sie nicht bei Konferenzen oder Podiumsdiskussionen mit, zu denen nur Frauen eingeladen werden. Schlagen Sie Männer vor, zitieren Sie Experten. Nutzen Sie Ihre Privilegien, um gegen Ungerechtigkeiten vorzugehen.
  • 38. Werden Sie nicht wütend, wenn Sie auf Ihre Privilegien angesprochen werden. Und kommen Sie bei der „allgemeinen“ Wehrpflicht bitte nicht damit an, dass Frauen ja Kinder kriegen müssten. Mittlerweile gibt’s die Pille, d.h., Frauen können steuern, wann, wie oft und ob überhaupt sie schwanger werden. Schwangerschaften sind inzwischen auch deutlich ungefährlicher als Kriege. Und wenn Sie meinen, dass es ja auch Zivildienst gibt, und dass das ganze ja auch seit ein paar Jahren ausgesetzt wird – merken Sie sich das Argument, wenn mal eine Feministin mit den ollen frauenfeindlichen Gesetzen aus den 50er Jahren argumentiert, die noch im letzten Jahrtausend abgeschafft wurden.
  • 39. Erwarten Sie keinen Applaus, erwarten Sie Streit und Kritik. Den männlichen Maskulisten geht’s ja auch nicht anders.
  • 40. Bedanken Sie sich bei der patriarchaischen Weltverschwörung, dass diese Menschen im Rahmen der Genderstudien in Lohn und Brot setzt. Ohne die p.W. hätten die kein Feindbild zum bekämpfen und wären arbeitslos. Falls Sie gar nicht in den Genderstudien beschäftigt sind, gönnen Sie den dort Beschäftigten doch bitte ihren Lebensunterhalt.

Ruhm und Ehre der allmächtigen patriarchaischen Weltverschwörung!

Werbeanzeigen

3 Gedanken zu “Maskulistin in 40 Schritten

    1. Nr. 41 : Gehen Sie unbedingt in den Film , freigegeben ab 6 Jahre, “ Voll auf die Nüsse “ und kehren Sie Handlung des Films oder nur den Filmtitel gleichberechtigt um ( “ Voll auf die Pflaume“ )und erschrecken Sie nicht…..
      Nehmen Sie verstaatlichte Brachialchauvinismen / geschlechtsspezifische Gewaltverherrlichung / Entwertung von Sexualität der genitalisierten B-Menschen wahr, auch wenn es Ihnen noch so schwer fällt.
      Erkennen Sie durch die Umkehrung, dass das Recht des Menschen auf Würde , auch in seiner Sexualität,unteilbar ist und handeln Sie nicht nach dem Motto: Wer keine Würde hat, dessen Würde kann man auch nicht verletzen.
      Ersetzen Sie das Wort „Würde“ nicht durch das Wort „Spaß“, auch nicht bei den genitalisierten B-Menschen.

      Merken Sie schon, wie die Umkehrung wirkt?…ein Alptraum…nicht nur für den Feminismus….

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s