Lebenhilfe by Stokowski

Hier wird gefragt, ob Männer Feministen sein können. Nein, eigentlich wird gefragt, ob Männer sich zur Abtreibungsfrage äußern können.

Antwort: Ja, vorausgesetzt, sie sind Stokowskis Meinung.

Aber es gibt eine Liste, und ich kann einfach nicht widerstehen, wenn ich Zahlen sehe:

  • 1. Erwarten Sie keine kostenlose Nachhilfe von Frauen in Sachen Feminismus. Informieren Sie sich selbst, das Internet ist voll und die Bibliotheken auch.

Ja, das mache ich. Ich habe SO viel Spaß dabei.

  • 2. Lesen Sie Bücher von Frauen, sehen Sie Filme von Frauen, hören Sie Musik von Frauen.

Hunger Games fand ich deutlich besser als Twilight, wobei ich bei letzterem nur die Filme kenne. Und natürlich alles von Madonna – Live is a mystery.

Habe ich nie behauptet. Was soll der Schwachsinn?

  • 4. Lesen Sie weiter, auch wenn Sie ungern belehrt werden, vielleicht kommt am Ende raus, dass Sie längst Feminist sind.

Oh, ich bin der Ansicht, dass Frauen und Männer dieselben Rechte haben sollten. Da dieses Kriterium hinreichend ist, um als Feminist zu gelten, lese ich mehr aus Neugier weiter.

  • 5. Fragen Sie sich, ob es eine Frau gibt, die Ihr Vorbild ist. Wenn Ihnen nur Ihre eigene Großmutter einfällt, fragen Sie sich, warum das so ist.

Ich habe keine Vorbilder.

  • 6. Lassen Sie Frauen ausreden.

Wenn Frauen Männer auch nie ausreden lassen, und gleiches Recht für alle gelten soll?

  • 7. Unterbrechen Sie Männer, die Frauen unterbrechen.

Dann reden alle durcheinander. Aber gut, wenigstens wird niemand mehr verstanden.

  • 8. Glauben Sie Frauen, wenn sie von ihren Erfahrungen berichten, auch wenn es Ihnen schwerfällt.

Ich glaube Frauen. Und Männern. Gleiches Recht für alle und so.

  • 9. Geben Sie Frauen keine unerbetenen Ratschläge und vor allem keine, die Sie bei Männern unangemessen fänden.

Eine Frau, die 40 Ratschläge gibt, nach denen höchstens Teile ihrer Leserschaft gefragt haben, sollte sich nicht über unerbetene Ratschläge beschweren. Immerhin hält sie diese hier für angemessen für Männer.

  • 10. Fangen Sie keine Sätze an mit „Ich könnte dein/ Ihr Vater sein,…“.

Auch nicht, wenn ich einer Beziehung mit einer deutlich jüngeren Frau als mir eher skeptisch gegenüberstehe? Okay, alles klar.

  • 11. Beenden Sie auch keine Sätze so.

Auch nicht, wenn tatsächlich die Möglichkeit bestünde? Okeeeee….

  • 12. Kommentieren oder berühren Sie die Körper oder Kleidung von Frauen nicht, wenn Sie auch nur den geringsten Zweifel haben, ob das gerade unangemessen ist. Unangemessen ist es in den meisten beruflichen Situationen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, und bei Frauen, die nicht so aussehen, als wären sie an einem Gespräch interessiert (Kopfhörer sind ein guter Hinweis dafür). Wenn Sie denken, dass Sie dann ja gar nichts Nettes mehr sagen können, denken Sie noch mal nach.

Natürlich kann ich was Nettes sagen, ohne jemanden dabei zu berühren. Eigentlich berühre ich beruflich niemanden außer notfalls beim Händeschütteln. Ich bin kein sehr sozial aktiver Mensch, dadurch fällt mir das nicht schwer.

  • 13. Sagen Sie Frauen mit kurzen Haaren oder Fingernägeln nicht, dass Sie lieber lange Haare oder Fingernägel mögen. Die ahnen das schon. Sagen Sie geschminkten Frauen nicht, dass Sie lieber ungeschminkte mögen.

Ich mag ja auch keine langen Fingernägel. Haarlänge ist mir egal. Zum Thema Schminke, das Thema hatte ich hier, Nr. 22. Aber natürlich sind alle Männer gleich und stehen auf Frauen mit langen Fingernägeln. (Jetzt merke ich gerade, manche Frauen denken das vllt. wirklich – hört auf mit dem Quatsch!)

  • 14. Laufen Sie nachts nicht dicht hinter fremden Frauen her, auch wenn Sie den gleichen Weg haben. Gehen Sie langsamer oder auf der anderen Straßenseite. Wirklich.

Warum sollte ich mich selbst bestrafen für etwas, was andere tun oder getan haben?

  • 15. Bezahlen Sie Frauen für ihre Arbeit, mindestens so viel wie Männer.

Gleiches Geld für gleiche Arbeit. Nicht notwendigerweise gleiches Geld für ungleiche Arbeit. (Ich bezweifle mal, dass Stokowskis Putzhilfe, so vorhanden, dasselbe Geld kriegt wie ihre Frauenärztin.)

  • 16. Geben Sie Ihrer Tochter mindestens so viel Taschengeld wie Ihrem Sohn im selben Alter.

Nicht „mindestens“. Genausoviel. Oder evt. inflationsbereinigt, aber dann kann es sein, dass das der Sohn mehr kriegt.

  • 17. „Helfen“ Sie Ihrer Partnerin nicht im Haushalt: Machen Sie einfach die Hälfte.

Kann ich alternativ auch eine Putzhilfe (m/w/d) einstellen? Ich frag aus Neugier.

  • 18. Denken Sie nicht, dass Sie schon Feminist sind, weil Sie nett zu Ihren weiblichen Familienangehörigen sind.

Das wäre in der Tat Schwachsinn. Verwandtenkennung gildet nicht.

  • 19. Fordern Sie Frauen, die nicht lächeln, niemals zum Lächeln auf.

Ja, dieser Mark-Foster-Song, oder von wem der ist, ist echt blöd.

  • 20. Oder, wenn Sie es bei Frauen nicht lassen können: Fordern Sie auch mal Männer, die nicht lächeln, zum Lächeln auf, und fühlen Sie mal, wie bescheuert das ist.

Ja, in der Tat. Gleiches Recht für alle.

  • 21. Wann immer Sie unsicher sind, ob Sie etwas Sexistisches sagen oder tun, machen Sie die einfachste Sexismusprobe, die es gibt: Vertauschen Sie im Kopf die Geschlechterrollen und schauen Sie, ob es merkwürdig wird. …

Habe ich gemacht. Es klänge zum Beispiel echt merkwürdig, wenn ich Frauen nachts auffordern würde, die andere Straßenseite zu benutzen. Oder meinem Sohn mindestens soviel Geld gäbe wie meiner Tochter.

  • 22. Wenn Sie ein Baby kriegen, nehmen Sie mehr als die zwei Monate Elternzeit. Wenn Sie nur die zwei Monate nehmen: Fahren Sie nicht zwei Monate nach Thailand. Und schreiben Sie während der zwei Monate kein Buch/ Blog darüber, was für ein neuer Mensch Sie in dieser Zeit geworden sind.

Erstens, was haben Sie gegen Thailand? Zweitens, ok, mit einem kleinen Baby ist das vllt. etwas stressig, aber machbar. Drittens, ich kann mir keine zwei Monate frei nehmen, weil ich selbstständig bin.

  • 23. Sagen Sie lieber nicht, dass Sie so richtig verstanden haben, wie viel Ungerechtigkeit es noch gibt, seit Sie eine Tochter haben. Also, sagen Sie das ruhig, aber seien Sie sich bewusst, dass Sie damit sagen, dass Sie sich nie richtig mit Ihrer Mutter, Frau, Schwester, ihren Freundinnen und Bekannten beschäftigt haben.

Ich habe keine Tochter, ich habe keine Schwester; meine Mutter hat mal als Zimmerin gearbeitet. Voll fair, dasselbe Unfallrisiko wie ein Mann. 

Okeee. Informieren sich weibliche Feministen auch über Anzeichen von Herzinfarkten und Schlaganfälle bei Männern? (Böhmermann ist keine gute Referenz für irgendwas.)

  • 25. Falls Sie etwas mehr Zeit haben: Werden Sie Entbindungspfleger.

Um einen zweiten Beruf auszuüben? Nein, habe ich nicht.

  • 26. Lachen Sie nicht mit, wenn Ihre Kolleginnen oder Freunde frauenfeindliche Witze machen. Merken Sie sich den Satz „find ich nicht lustig“. Falls Sie es doch lustig finden: Interessant, dass Sie bis hierher gelesen haben. Bleiben Sie dran.

Die Unterstellung, meine Freunde und Kolleginnen machten frauenfeindliche Witze ist beleidigend ungeachtet der Frage, ob ich die lustig finde. Wieso erwartet Stokowski oder sonst ein Mensch von mir oder sonst einem Menschen Unterstützung, den oder dessen Umfeld sie gerade beleidigt? (Wenn da „falls“ statt „wenn“ stünde, wäre es keine Unterstellung.)

  • 27. Ungefähr jede dritte Frau in Deutschland wird am Arbeitsplatz belästigt. Schützen Sie keine Täter, auch wenn die ansonsten sogenannte nette Kollegen sind. Die allermeisten Sexualstraftäter sind, wenn sie nicht gerade übergriffig sind, ganz normale, „nette“ Typen.

Natürlich. Wenn Männer belästigt werden, beschütze ich die Täterinnen ja auch nicht. Gleichberechtigung.

  • 28. Wenn Sie Belästigung oder andere Übergriffe beobachten, gehen Sie dagegen vor. Tun Sie das, ohne für die Betroffenen zusätzlich belastend zu werden. Nicht jede Geschichte braucht einen Helden.

Catch-22: Wenn ich nichts tue, bin ich böse, wenn ich etwas tue, auch.

  • 29. Erklären Sie Feministinnen nicht, dass es eigentlich „Humanismus“ heißen müsste und nicht „Feminismus“.

Volle Zustimmung. Humanismus ist auch etwas völlig anderes.

  • 30. Geben Sie zu, wenn Sie von etwas keine Ahnung haben. Das ist pures Gold.

Aktienkurse? Kein Plan davon. Feiert mich!

  • 31. Nennen Sie erwachsene Frauen nicht „Mädchen“ oder „Mädels“, oder alternativ: Nennen Sie erwachsene Männer auch „Jungs“. Aber lieber das Erste.

Sowohl als auch.

  • 32. Sehen Sie Frauen nicht als Vertreterinnen einer Spezies. Wenn Ihnen eine Feministin nicht passt, sagen Sie nicht: „Wegen Ihnen kann ich Feminismus nicht mehr ernst nehmen.“ Das ist nur peinlich.

In Ordnung. Wenn man das Argument umdreht, sind auch nicht alle Maskulisten gleich. Es sind bspw. nicht alle schwul. Ansonsten sind Frauen tatsächlich Vertreterinnen der Species Mensch, und ich fände es extrem frauenfeindlich, das nicht so zu sehen, aber bitte.

  • 33. Erwarten Sie keine eindeutigen, endgültigen Antworten auf Ihre Fragen, denn Feminismus ist eine extrem vielfältige Bewegung und es gibt darin die unterschiedlichsten Positionen.

Es gibt eine Menge Männer, die generell keine eindeutigen, endgültigen Antworten auf Fragen an Frauen erwarten (Fun-Fact: beide Wörter werden fast gleich geschrieben), weil sie sehr frauenfeindlich sind. Die Männer jetzt, nicht die Fragen. Oder die Fragen vllt. trotzdem. Jedenfalls reproduziert hier Stokowski ein frauenfeindliches Vorurteil.

Den Ursprung wusste ich schon, dank meiner humanistischen Bildung. Leberkäse hat aber auch nichts mit Käse zu tun. Wie nennt Stokowski den?

  • 35. Wenn Frauen etwas kritisieren, nennen Sie sie nicht überempfindlich. Wenn Sie Feministinnen anstrengend finden, fragen Sie sich, warum genau.

Habe ich gemacht.

  • 36. Daten Sie auch Frauen, die mehr verdienen als Sie.

Super Idee! Und wenn die reichere Frau mich nicht daten will, denunziere ich sie als altmodisch und männerfeindlich. Geil!

  • 37. Machen Sie nicht bei Konferenzen oder Podiumsdiskussionen mit, zu denen nur Männer eingeladen werden. Schlagen Sie Frauen vor, zitieren Sie Expertinnen. Nutzen Sie Ihre Privilegien, um gegen Ungerechtigkeiten vorzugehen.

Ich habe nicht das Privileg, Einladungen zu beruflichen Besprechungen ablehnen zu können. Kunde ist König, Kundin ist Königin.

  • 38. Werden Sie nicht wütend (hysterisch), wenn Sie auf Ihre Privilegien angesprochen werden.

Sagt ein Mensch, der nicht zum Wehr/Zivildienst musste, aber abstreitet, in irgendeiner Weise privilegiert zu sein.

  • 39. Erwarten Sie keinen Applaus, erwarten Sie Streit und Kritik. Wenn Sie glauben, dass Sie für Ihren Einsatz für Gleichberechtigung mehr Anerkennung verdienen als eine Frau, lassen Sie es lieber gleich.

Mal ganz doof gesagt: wenn ich für Gleichberechtigung kämpfe, indem ich als Mann Nachteile von Männern bekämpfe, mache ich das aus Eigeninteresse, nicht für Ruhm und Ehre. Wenn ich das nicht für mich oder „meine“ Gruppe tue, ist das schon altruistischer.

  • 40. Bedanken Sie sich bei Feministinnen für ihre Arbeit. Männern, die an veralteten Geschlechterrollen festhalten, drohen mehr psychische Probleme, hat eine Studie 2016 gezeigt (PDF). Toxische Männlichkeit ist heilbar. Schützen Sie sich! Dankeschön!

Feministinnen machen das nicht für Männer. Bzw., wenn doch, sollten sie aufhören, Männer als toxisch zu beschimpfen. Und wenn ich mich um meine Gesundheit kümmere, ist das mein Eigeninteresse, und ich brauche kein geheucheltes Dankeschön. Und kein Mensch ist toxisch.

PS 18/4/19: Ich bin nicht der einzige, auf den Stokowkis Vorurteile nicht ganz zutreffen: für Leute, die gerne Listen lesen.

 

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8 Gedanken zu “Lebenhilfe by Stokowski

  1. Da in ihrer beschönigenden „Wörterbuchdefinition“ von Feminismus:
    „Wenn Feminismus bedeutet, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Freiheiten haben sollten, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Sexualität, ihrem Körper, dann steht es allen Menschen frei, sich dafür einzusetzen.“
    ein wichtiges Wörtchen fehlt, nämlich die „gleichen Pflichten“(!) werde ich nie danach streben, mich als „Feministen“ zu bezeichnen 😉
    Und der „realexistierende Feminsimus“ krankt nun mal ganz stark daran, auf dem „männlichen Auge“ blind zu sein.
    Mehr ist zu dem Schwachsinn von Fr. St. eigentlich nicht zu sagen.

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