Unterschiede Machotum und toxische Männlichkeit

Ein Exleser hat mich darauf gebracht, dass er toxische Männlichkeit für den besseren Begriff hält als Machotum – s. Kommentar – , und natürlich sehe ich das schon aus Prinzip anders.

Ich halte den Begriff „Macho“ für klarer, weil der relativ einheitlich ist, und vor allem ein eindeutiges Motiv zugrundelegt. Jedenfalls so, wie ich das Wort verstehe.

Ein Macho ist ein Mann, der mit möglichst vielen Frauen Sex haben will und dabei folgende Strategien fährt:

  1. die Betonung der eigenen Attraktivität
  2. die Abwertung anderer Männer
  3. die Objektivierung von Frauen

Alle anderen Eigenschaften, die als „typisch macho“ gelten, sind daraus herleitbar. Und manche, aber eben nicht alle, die als „toxisch männlich“ gelten, auch, bzw. teilweise. Z.B. ist es nach Punkt 2. logisch, dass Machos andere Männer insbesondere als „schwul“ abwerten. Männer, die auf Männer stehen, sind offensichtlich keine Konkurrenz in Bezug auf Frauen. Wenn zumindest einige Frauen* diese Männer für schwul halten und an ihnen kein Interesse mehr haben, haben die Machos einen Vorteil. Dass ein Porsche körperliche Nachteile kompensieren kann, ist ein beliebter Witz, aber dass der fragliche Macho genug Geld verdient, um einen zu kaufen, dokumentiert ja immerhin, das er irgendetwas gut kann.

Malerei und Gedichte werden aber nicht notwendigerweise von Machos abgelehnt. Ein Macho, der gut malen oder dichten kann, wird das einsetzen, um seinen Erfolg bei Frauen zu steigern, ein Macho, der nichts von beiden kann, wird das verächtlich machen, weil das die Konkurrenz ist.

Ebenso, und das ist jetzt ein großer Unterschied, hat ein Macho kein Problem, über seine Gefühle zu reden. Er wird ganz sicher mit einer Frau über seine Gefühle für sie reden, und wenn er keine Gefühle für sie hat, erfindet er eben welche. Was ein Macho nicht macht, ist über seine Schwächen zu reden, weder mit einer Frau, weil Schwächen nicht attraktiv sind, noch mit anderen Männern, weil die Konkurrenz sind und diese gegen ihn verwenden könnten. Evt., wenn er Schwächen als Stärken uminterpretieren kann, aber vermutlich auch dann nicht die schlimmeren: „Mädel, ich habe schon DREI Herzinfarkte überlebt. Ich bin so hart.“ oder „Willst Du die Narbe von meiner letzten OP sehen?“

Im Unterschied zu Mr Urwin hat ein Macho an sich kein Problem, zum Arzt zu gehen, ohne darüber zu reden, denn allgemeine Fittigkeit und Gesundheit machen attraktiver.

Wenn man also „toxische Männlichkeit“ als „Machotum“ betrachtet, passen einige dieser Eigenschaften da nicht rein. Wenn man „toxische Männlichkeit“ stattdessen als Oberbegriff auffasst, ist der Begriff vager, weil er unterschiedliche Dinge zusammenfasst, die sich z.T. widersprechen. „Machotum“ ist im Grunde Egoismus. Sex mit möglichst vielen Menschen ist Privatvergnügen und bringt die Gesellschaft nicht weiter. „Steife Oberlippe“ ist Altruismus. Anderen nicht die eigenen Probleme aufbürden hilft der Gesellschaft insofern, weil so Kapazitäten für allgemeinere Probleme frei bleiben. Einen gescheiten Kompromiss zwischen „Arschloch sein“ und „sich fürs Team aufopfern“ zu finden, kann nicht unmöglich sein.

 

*Dass „Macho“ inzwischen sehr abwertend gemeint ist, liegt nicht zuletzt daran, dass Frauen in Wahrheit doch keine Objekte sind, die irgendwo in der Landschaft herumstehen und alles glauben, was der Typ im Porsche sagt. Die Effektivität dieser Strategien nimmt daher ab. Die Männer, die sie dennoch versuchen, sind also offenbar nicht die kompetentesten, umgekehrt werden die Frauen, die auf diese Strategien noch reinfallen, abwertend als „Tussis“ bezeichnet. Beide Gruppen sind glücklicherweise immerhin schlau genug, um zu verhüten.

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