Ironie – was ist das eigentlich?

Es gibt ja bei YouTube die tollsten Lehrvideos, und wenn ich dafür die Geduld und das Equipment und das Talent und die Zeit und die Geduld hätte, würde ich auch so etwas machen, um der Menschheit die Welt zu erklären, die sie selbst geformt hat. Aber da es mir an einigen Voraussetzungen mangelt, muss folgende Frage als eher trockener Text beantwortet werden:

Wie geht eigentlich Ironie?

Und dann machen wir’s wie in der Feuerzangenbowle: „Dann stellen wir uns janz dumm.“

Und – Peng – das ist schon die halbe Antwort. Die ganze Antwort geht so:

Ironie ist, wenn man sich dumm stellt, aber nicht zu dumm.

Es sind also zwei Kriterien: Man tut so, als würde man einen Sachverhalt für wahr halten, der a) unwahr ist, aber b) einigermaßen plausibel klingt.

Während man beliebig viele unwahre Sachen finden kann, ist es natürlich schwerer zu entscheiden, was als „einigermaßen plausibel“ zählt; als Daumenwert gilt, dass der ironische Sachverhalt mindestens so plausibel klingt wie ein anderer Sachverhalt, der wahr ist oder jedenfalls für wahr gehalten wird. Oder wenigstens für plausibel.

Beispiel: „Das ging aber schnell!“, wenn etwas überhaupt nicht schnell ging, aber man mit einer höheren Geschwindigkeit hätte rechnen können.

Ironie kann aus verschiedenen Gründen scheitern:

  • die Empfängerseite denkt, dass der Ironiker den ironischen Sachverhalt ernst und nicht ironisch meint
  • die Empfängerseite denkt, dass der ironische Sachverhalt wahr ist
  • der ironische Sachverhalt ist wahr
  • die Empfängerseite ist der Ansicht, dass der ironische Sachverhalt nicht annähernd so plausibel ist, wie der Ironiker das denkt

Um Ironie besser kenntlich zu machen, empfehlen sich besondere Signale wie z.B. durch Körpersprache, Mimik, Gestik, Stimmlage, Ironiesmileys, Betonung, die Fake-Formatierung [Ironiemodus]das hier wäre dann das Ironische[/Ironiemodus] sowie das Hupen mit einer großen roten Clownsnase. Wenn das alles nicht hilft, bist Du einfach zu dumm, um Dich erfolgreich dumm stellen zu können.

Vorsicht vor dem Wort „ironischerweise“. Mit „ironischerweise“ ist meistens keine Ironie gemeint, sondern etwas, was vllt. ironisch gemeint wäre, wenn man es sich ausgedacht hätte, was aber nicht ausgedacht ist:

 Ironischerweise sind es nun vor allem Rechte, welche die Causa Relotius zum Anlass nehmen, um wieder von „Lügenpresse“ und „linkem Haltungsjournalismus“ zu sprechen.

s. hier

Es ist ebenfalls nicht so, dass die Rechten es irgendwie ironisch meinen, wenn sie Relotius als Beispiel für die „Lügenpresse“ verwenden. Und sie nehmen ihn wohl wirklich eher als links wahr, obwohl er auch für eher rechte Blätter schrieb. Ergo ist der ganze Vorgang keine Ironie, ergo stimmt das Wort „ironischerweise“ nicht. Es hat aber seine Berechtigung, indem es selbst ironisch gebraucht wird.

Machen wir den Test, ob das funktionieren würde: „Wäre es nicht viel plausibler, dass sich Rechte nicht ausgerechnet über einen Reportagenfälscher beschwerten, der ausländerfeindliche Vorurteile bediente, z.B. über Serben, Kroaten und US-Bürger?“ – „Ja, eigentlich schon.“

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