Interessenvertretung II

Jetzt hierzu:

https://pinkstinks.de/schadet-feminismus-maennern/

Aber der Reihe nach:

… Feminismus schadet Männern, …

Ich will nicht direkt sagen, dass hier eine Strohmannbehauptung aufgestellt wird, weil es genug Leute, meist männlichen Geschlechtes, gibt, die eine gewisse Schädlichkeit des Feminismus‘ behaupten, aber im weiteren Verlauf wird erklärt, dass „der“, also „jeder“ Feminismus Männern nicht nur nicht schadet, sondern sogar nützt, und das stimmt nicht. Bzw., so, wie Feminismus nicht automatisch männerfeindlich ist, ist er auch nicht automatisch männerfreundlich.

… nimmt ihnen ihre Rechte …

Keine Ahnung, von welchen Rechten da die Rede ist.

… behauptet männliche Privilegien, die in Wahrheit nicht existieren. …

Jein. Stellt Sachen als Privileg dar, die kein Privileg sind. Z.B. Wehrdienst. Oder, wenn das Patriarchat manchmal Männern schadet, hieße das ja, dass es dann Frauen nutzt, entweder als Nullsummenspiel, oder wegen Arbeitsteilung. Aber Vorteile von Frauen werden immer runtergespielt.

… Frauenwahlrecht ist ja schön und gut. Und Gleichberechtigung mag auch noch angehen, …

Mal gaaanz allgemein, gibt es in Deutschland Menschen, die das Frauenwahlrecht abschaffen wollen? Gleichberechtigung heißt, gleiches Recht für alle, was wir mMn auch erreicht haben, aber wie bei jedem Recht geht es immer auch darum, es durchzusetzen.

… aber Feministinnen scheint es nur noch darum zu gehen, sich mit Hinweis auf ihre angebliche Unterdrückung Vorteile zu verschaffen. Dabei sind es doch längst die Männer, die ins Unrecht gesetzt werden.

Ins Unrecht kann man sich nur selber setzen, gemeint ist wohl „benachteiligt werden“. Es schadet nicht „den Männern“, wenn Frauen wie Männer bezahlt werden. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ heißt aber nicht „Gleicher Lohn für unterschiedliche Berufe in verschiedenen Branchen mit anderen Tarifverträgen“.

… Und wenn Memebastelei nicht mehr unterhaltsam genug ist, rottet man sich in den sozialen Netzwerken zusammen und schaut, wem sich Gewalt androhen lässt.

Ok, schlechte, oder besser gesagt, gar keine Argumente gegen eine Sache sind natürlich indirekt Argumente für eine Sache, aber die Frage ist, ob Feminismus Männern schadet und nicht, ob Frauenhasser Frauen schaden. Offensichtlich tun sie das.

… Aus meiner Sicht lohnt es sich, mit einem Mann wie George Lawlor zu diskutieren, der sich 2015 weigerte an einem Seminar über Einvernehmlichkeit teilzunehmen, weil er es als Beleidigung empfand.

Hmm, Diskussionsbereitschaft in allen Ehren, aber muss man das diskutieren, oder reicht nicht Empathie, um zu erkennen, warum ein „Wie man keine Verbrechen begeht“-Seminar beleidigend sein könnte? Und wenn es nicht beleidigend ist, warum nicht auch ein Seminar, wie man keine Brände stiftet, keine Taschendiebstähle begeht oder keine Steuern hinterzieht?

Es lohnt sich darüber ins Gespräch zu kommen, dass ein Vergewaltiger eben doch so aussehen kann wie er. Oder wie ich oder jeder andere Mann, weil die Täter aus allen Teilen der Gesellschaft stammen und die Taten häufig im sozialen Nahbereich stattfinden.

Oh, man kann Menschen ihre Verbrechen nicht ansehen – darüber muss man diskutieren? Entweder will der Mann Vergewaltigungen begehen, dann wird ihn das Seminar nicht davon abhalten, oder nicht, dann ist es nutzlos.

Das heißt eben nicht, alle Männer als Täter vorzuverurteilen, sondern die Dimension von sexualisierter Gewalt anzuerkennen.

Ähh, doch? Das Seminar hieß nicht „Häufigkeit von sexualisierter Gewalt“, sondern sollte ihn persönlich davon abhalten, ein Vergewaltiger zu werden, ohne in der Hinsicht auffällig gewesen zu sein, soweit ich das verstanden habe. Vllt. schickt man ihn auch prophylaktisch zum „Idiotentest“, auch, wenn er immer ordentlich Auto fährt. Gibt’s das Seminar eigentlich auch für Frauen?

Sexualisierte Gewalt verschwindet nicht dadurch, dass man(n) dazu lediglich festhält, selbst nie etwas Derartiges zu tun.

Ja, hat wer behauptet, dass die verschwinden würde?

Das gesellschaftliche Klima, das sexualisierte Gewalt ermöglicht, normalisiert und verharmlost wird nicht weniger oder inexistent, weil man(n) die Augen davor verschießt oder nicht so genau hinschaut.  Im Gegenteil: Dadurch wird sie noch zementiert.

Erstmal, wenn ich feststelle, dass ich kein Mörder bin, ist das nicht dasselbe, als wenn ich die Augen vor Morden verschließe. Ich verharmlose auch keine Morde, indem ich sage, dass ich keine Morde begehe. Ich unterstütze kein gesellschaftliches Klima, das Morde „ermöglicht“, wenn ich das sage. Und – vor allem – ich behaupte nicht, dass Morde bloß deshalb aufhören, nur weil ich keine begehe. Aber bei sexualisierter Gewalt soll das anders sein? Das ist wenig plausibel.

Man sollte jemanden wie Henryk Broder nicht damit davonkommen lassen…

Wer konkret ist „man“? Ist es meine Aufgabe, Broder zu followern, um seine unsympathischen Beiträge auf besonders unsympathische Beiträge zu untersuchen? Ich denke, eher nicht.

Ist der Feminismus etwa dafür verantwortlich, dass an Kriegshandlungen aller Art zumeist Männer beteiligt sind und diesen auch mehrheitlich zum Opfer fallen?

Nö. Macht sich der Feminismus für eine Wehrpflicht für Frauen stark, was dieses Ungleichgewicht schnell abgeschafft hätte? Auch nö. Offenbar bekämpft der Feminismus nur solche Ungleichheiten, die Frauen benachteiligen, was ihn zu einer Fraueninteressenvertretung macht. Völlig legitim, ja, aber steht halt dazu.

 Ist der Feminismus daran schuld, dass mehr Männer als Frauen Selbstmord begehen?

Nein. Hat der Feminismus dafür gesorgt, dass weniger Frauen als Männer Selbstmord begehen? Auch nicht, logischerweise. Außerdem hat der Feminismus keinen Einfluss darauf, dass Männer häufiger Prostatakrebs bekommen und Frauen häufiger Brustkrebs.

Dass sie weniger häufig das Sorgerecht erhalten als ihre Ex-Partnerinnen?

Das hat verschiedene Gründe, aber viele Feministen finden es gut so, wie es ist.

Dass Männer innerhalb des Male Depression Konzepts hilfloser und aggressiver als Frauen werden, hat etwas mit toxischer Männlichkeit zu tun.

Kein Mensch ist toxisch.

Und die Vorstellungen darüber, wer für die Betreuung eines Kindes zuständig zu sein hat und wer bloß Aushilfskraft sein kann, ist gesellschaftlich fest verankert.

Ja. Auch das ist nicht die Schuld des Feminismus, bloß gibt es eine Menge Feministinnen, die tatsächlich dieses spezielle Männer-Frauen-Klischee mittragen. Also tun Sie bitte nicht so, als würde ausgerechnet der Feminismus daran was ändern.

Wenn wir das mit dem Feminismus wirklich durchziehen würden, dann stünde am Ende eine Gesellschaft, in der Männer nicht aufgrund ihres Geschlechts keine Schmerzen kennen dürften und keine Opfer sein könnten.

Dass Männer nicht „als Männer“ Opfer von Diskriminierung werden könnten, hört man besonders oft von Feministinnen. Und niemand verbietet Männern, Schmerzen zu empfinden, es ist aber halt schlecht, welche zu haben.

Sie könnten davon berichten, dass ihre Partnerin ihnen Gewalt antut, und man würde ihnen glauben, anstatt sie auszulachen und ihnen ihre Männlichkeit abzusprechen.

Und anstatt dass das als Derailing abgetan wird. Von Feministinnen. Und gelegentlichen Feministen.

Sie würden in puncto Sorgerecht von Anfang an genauso in die Verantwortung genommen wie Frauen und in einem etwaigen Gerichtsverfahren auch so behandelt.

Ja. Dürfen Männer dann auch bei der Abtreibungsfrage mitentscheiden?

Sie würden nicht qua Geschlecht als gewalttätiger, kriegslüsternder, triebgesteuerter und emotionsloser gelten.

Mal abgesehen davon, dass „triebgesteuert“ und „emotionslos“ etwas widersprüchliche Begriffe sind – das sind alles Vorurteile, die hauptsächlich von Frauen reproduziert werden (edit: man hat generell am wenigsten Vorurteile über die eigene Gruppe, ergo kommen die meisten Vorurteile über Männer, insbesondere die negativen, von Frauen). Also muss _ich_ Feminist werden, damit andere mit ihren Vorurteilen über mich aufhören? Bisschen erpresserisch, was?

Sie würden nicht dafür angefeindet werden, Männer zu lieben und zu begehren.

Ja, ok. Witzigerweise gibt’s auch schwule Maskus.

Wir gehen kaputt, wir distanzieren uns bis zur Unkenntlichkeit von unseren eigenen Gefühlen, wir fügen viel zu viel Leid zu und sterben früher als wir müssten.

An der Todesrate arbeite ich.

Alle anderen sollten vielleicht in Betracht ziehen, dass Feminismus für genau diese Probleme ziemlich interessante Lösungen bietet.

Die Vorstellungen, was ein Mann tun oder lassen soll, um als „richtiger“ Mann wahrgenommen zu werden, haben sich die Männer nicht alleine ausgedacht; nehmen Sie es mal als Indiz, dass viele, wenn nicht alle, „männliche“ Eigenschaften dabei helfen sollen, Erfolg bei Frauen zu haben. Wenn sich also eine Bewegung, die hauptsächlich aus Frauen besteht, ein Männerbild kritisiert, das, sagen wir mal, hälftig von Frauen mitentworfen wurde, aber diese Kritik sich dann nicht hälftig an andere Frauen richtet, dann kommt mir das nicht wie eine interessante Lösung vor.

edit: Tippsel, Grammatik und ein Einschub zur Klarstellung.

2 Gedanken zu “Interessenvertretung II

  1. Vielleicht ist es bald eine Routine Kurse zum Thema Gendergedöns zuabsolvieren..wie einen Erste-Hilfe-Kurs…
    Mit dem Service das mann jemannden hinschicken kann,der das möchte oder bezahlt wird…
    Oder Cortana,Alexa und Konsorten veranstalten einen entzsprechenden Kurs,der durch die Sprachanalyse autheninfiziert wird?!

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