Wham (OHNE „!“!)

Nachdem dieser Blog beinah sanft entschlafen ist, muss ich ihn wieder wachküssen, weil die zwingende Notwendigkeit eingetreten ist. Ich habe irgendwann irgendwo irgendwas gesagt, und jetzt muss ich die Deutungshoheit über diesen Begriff wiedererlangen. Im Unterschied zu Staaten besitze ich keine Armee, Kriegsmarine, Luftwaffe, Battlemech-Corps, Raumwaffe, Todessterne, Weltraum-Marines, Mutanten-zbV, Raumflotte oder Assassinenklone, die meine Deutungshoheit wiederherstellen, also setze ich diesen Blog ein. Die Tastatur ist mächtiger als der Todesstrahl. Ja, Deutschland hat auch keinen eigenen Todesstern.

Jedenfalls, in Anlehnung an Pr. Stefanowitschs Vortrag zum Thema Plattformneutralität hier, gibt es verschiedene Gruppen, die hierzulande mehr oder weniger ausgegrenzt werden. Bspw.:

  • Schwarze
  • Schwule (Fan-Fact: fängt beides mit Schw- an)
  • die Jugend(-von-Heute), am besten auszusprechen mit einäm hitlär-mäßigäm Krächtzän: „De Jugänd! Dä Jo-GänT!!!“
  • und Frauen. Kein Artikel, kein Krächzen, einfach: „Frauen“

Folgt man den Überlegungen aus dem Vortrag, fällt auf, dass die Gruppe, von der diese Gruppen abgegrenzt werden, kein eigenes Wort hat. Dafür haben „wir“ nur „wir“ oder „normal“ oder „Mensch“. Ich setze da mal Fragezeichen:

Schwarze          Schwule

???

Jugend               Frauen

 

Diese Lücke im dt. Wortschatz ist natürlich sofort zu schließen, um die Grenzen des Sagbaren immer weiter auszudehnen, bis eines Tages alles gesagt werden kann, was gesagt werden soll. ALLES!

Hier habe ich mir im Schweiße meines Angesichtes das Akronym

Wham

erdacht, um nicht immer „weißer, heterosexuelle, alter Mann“ schreiben zu müssen, was natürlich noch viel schweißtreibender ist. Die Gruppe hieß übrigens „Wham!“, das ist nicht dasselbe, und das verbliebende Mitglied ist nicht mehr so jung, hat mit einer Frau von Bananarama einen Sohn gezeugt und ist im Vergleich zu George Michael relativ blass geblieben. Es scheint jedenfalls unter die Wham-Kategorie zu fallen.

Jedenfalls ist Wham wertneutral gemeint. Bzw., wenn jemand Whams toll, doof, gemischt, verachtenswert oder sonstwas findet, kann sie oder er das gerne tun, das Wort Wham an sich ist es nicht. Wenn jemand die ähnlichnamige Band gut oder schlecht findet, wird: „Klingt ja wie Wham!.“ auch je, nachdem, als Kompliment und mal als Beleidigung gemeint sein.

Aber, was passiert?

Hier wird der Begriff als abwertend wahrgenommen:

Um den Opfern (Journalisten) dieser Machtstrukturen Zugang zu diesen Privilegien zu ermöglichen, eignet sich der Kampfbegriff WHAM gut, weil er moralische Kategorien (statt ökonomischer) einführt, …

Ja. Da versucht man einmal, die dt. Sprache irgendwie weiterzuentwickeln, und dann sowas: Kampfbegriff. Ein Begriff der sich aus den Wörtern „Kampf“ und „Begriff“ zusammensetzt. Kampf assoziert natürlich Hitlers Kampfschrift, und Begriff ist allgemein negativ besetzt, wie in „schwer von Begriff“, oder wegen seiner sprachlichen Nähe zu „Angriff“, „Zugriff“ und „Eingriff“. Nur „Korallenriff“ wird eher positiv verstanden, aber das hat mit „Begriff“ auch gar nichts zu tun. Also ist ein Kampfbegriff etwas böses, und das soll es nicht sein.

Weiterhin kann man eine Abkürzung natürlich komplett groß schreiben, wie CD, LKW und USA, aber ich habe natürlich bewusst* „Wham“ und nicht „WHAM“ geschrieben, damit man das einsilbig (wie die Band) ausspricht, und nicht WeHaAEm. Wenn ich mir die Arbeit erleichtere, dann doch anderen auch. UND damit das nicht so aus dem Text heraussticht. Wer „WHAM“ schreibt, schreit.

Also, bitte nicht „Kampfbegriff“ dazu sagen, „Wham“ schreiben und nicht die ganzen Ruhm und Ehre dem intersektionalistischen Feminismus zuschreiben. Der intersektionalistische Feminismus hat sicher auch Verdienste, aber dieser hier ist meiner.

 

*Ok, eigentlich mehr aus Reflex, aber so finde ich es auch nach längerem Drübernachdenken sinnvoller.

2 Gedanken zu “Wham (OHNE „!“!)

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