Noch mehr Fragen an noch berühmtere Männer – aber die Apokolokynthose beantwortet sie trotzdem

…uuuuund Endspurt:

Fragen:

  • Wie viel Ihrer Biografie fließt in Ihre Arbeit ein? Kann man sagen, dass Arbeit für Sie eine Art Therapie und Selbstfindung ist? – „So 12%. Der Rest steht im Drehbuch.“ oder „Mein Therapeut meint, ich solle mehr arbeiten, um auf andere Gedanken zu kommen. Zum Glück hat meine Arbeit nix mit meinem Leben zu tun.“ oder „Ja, genau.“ (Ich bin mir nicht sicher, ob solche Fragen nur Frauen gestellt werden. Bei Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ hätte sich das ja auch angeboten.)
  • Haben Sie oft Angst, durch jüngere Männer ersetzt zu werden? – „Meine Frau meint, sie steht auf graue Haare. Ach, Sie meinen beruflich?“
  • Sie sind erst… alt und schon erstaunlich weit gekommen. Wie ernst nehmen ältere Kollegen Sie? – „Ich bin überhaupt nicht erstaunt, wie weit ich gekommen bin, und ob meine älteren Kollegen mich ernst nehmen, müssen Sie sie selber fragen.“
  • An welchen weiblichen Vorbildern haben Sie sich orientiert? – „Jean d’Arc, Mutter Teresa und Marie Curie.“ (Auch, wenn ich Schauspieler bin. Schauspielerinnen können genauso random antworten.)
  • Ihre Arbeit erinnert mich (wichtig: der Journalist ist auch wer!) oft an die Arbeiten von (Hannah Arendt, Sofja Kowalewskaja, Isabel Coixet, Margaret Atwood o.ä.). Wie sehr sind Sie von Ihnen beeinflusst worden? – „Ich finde Banalität böse und bin dagegen, Mägde als wandelnde Gebärmütter einzusetzen. Ich bin froh, dass das meiner Arbeit angemerkt wird.“ (Die Frage kann bei bestimmten Frauen oder auch Männern sehr passend sein, nämlich logischerweise, wenn es wirklich gemeinsame Themen und Stilmittel zwischen der interviewten Person und bspw. Arendt gibt. Das ist dann nicht annähernd so eine dumme Frage wie die anderen.)
  • Wie wichtig ist Ihnen Ihr Äußeres? – „Anderen ist mein Äußeres wichtiger, aber das bringt der Beruf als Schauspieler so mit sich.“
  • Warum tragen Sie immer diese Anzüge? Verunsichert Sie zu viel Information über Ihren Körper? – „Nein, aber mein Schneider auf Sri Lanka verdient Respekt.“ (Ist die Frage jetzt: warum laufen Sie nicht nackt herum? Ja, warum wohl? Viele Menschen fühlen sich durch nackte Männer verunsichert.)
  • Sie sind ein sehr gutaussehender Mann. Warum versteckt sich jemand wie Sie in einem so unglamourösen Beruf? – „Als ich feststellen musste, dass männliche Supermodels nicht annähernd so viel verdienen wie weibliche, habe ich der Branche aus Protest den Rücken gewandt.“ (Endlich sagt’s mal jemand.)
  • Welche Beauty-Produkte dürfen in Ihrem Bad nicht fehlen? – „Ohrenschmalzentfernungsset. Achja, und ich habe einen Werbevertrag mit einem Haarfärbeproduzenten, weshalb ich ein paar Kisten von dem Zeug habe, das muss weg. Haarfärbemittel: von führenden Promis empfohlen.“ (Jaaa, das findet meine Frau doof. Und jahaa, das widerspricht meiner Werbebrancheboykottphilosophie. Aber ich liebe meine Frisur in aubergine einfach, die passt so gut zu meinen maßgeschneiderten Anzügen. Ich bin halt ein Mann voller Widersprüche.)

(Jetzt langsam zum Ende kommen. Noch einmal ausholen. Die Killerfrage.)

  • X, Sie sind jetzt 33. Haben Sie Angst vor dem Tod? – „Nein, nur vorm Sterben.“ (d’oh – wobei, Killerfrage? Nimmt die das etwa wörtlich?!?)

(In der Nachbearbeitung des Gesprächs: Alle fachlichen und unverständlichen Antworten streichen. Die Leser sind nicht an der Leistung von Männern interessiert, sondern wollen vielmehr Informationen, die diese Leistung erklären (Aussehen, Familie, Mode).

Abtippen. Abgeben. Fertig.

Auch, wenn ich mich darüber lustig mache, einige der kritisierten Fragen sind häufig sinn- und zwecklos. Bzw., wenn sie sinnvoll sind, dann nicht, weil sie Frauen gestellt werden, sondern weil sie bestimmten Frauen gestellt werden. Ein weibliches Model zu fragen, welche Mode oder sonstige Kleidung es privat mag, ist sicher interessant. Eine Politikerin das zu fragen, eher nicht so sehr. Einen Profifußballer Anfang dreißig Fragen aus dem Bereich Älterwerden und Karriereende zu stellen, ist nicht unlogisch, auch wenn er darauf vllt. nur ausweichend antwortet. Eine Schriftstellerin Anfang dreißig so eine Frage zu stellen, ist eher sinnlos (und falls jetzt der Kommentar kommt: „In Zeitschrift x, Mai 2012, kam auf Seite y genau diese Frage an eine Schriftstellerin vor, die 35 ist.“ – okeee, aber eine dumme Anekdote ist keine satirewürdige Fehlentwicklung). Umgekehrt braucht man einem Fußballprofi, der für Nutella Werbung macht, gar nicht erst zu Diäten befragen (außer spaßeshalber). Usw.

Auch ist es relevant, für welches Medium interviewt wird, ein Mode&Beauty-Magazin wird sich bestimmt für Kosmetika interessieren, ein politisches eher nicht. Manche Magazine leben von – mehr oder weniger zutreffenden – Berichten über das Familienleben von Prominenten, so dass viele Prominente, auch männliche, solche Fragen gar nicht mehr beantworten. Das alles kann man ja gerne kritisieren, parodieren oder mit roter Farbe verunstalten, aber so?

Diese Parodie auf dumme Journalistenfragen ist nicht besonders bissig, weil zu viel vermischt wird.

Meine Hauptfrage ist aber: Über wen beschwert Sibylle Berg sich eigentlich? Über das dumme Publikum, das solche Interviews liest? Die dummen Redaktionen, die solche Interviews veröffentlichen (und GELD dafür ausgeben)? Ihre mutmaßlich sexistischen Kollegen? Bzw. Kolleginnen? Sich selbst kann sie nicht meinen, denn solche Fragen stellt sie ja nie.

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