Neue Schimpfwörter: heute der Wirtschaftsflüchtling

Auf dem ersten Blick scheint klar, warum „Wirtschaftsflüchtling“ ein Schimpfwort ist; so, wie Kriegsflüchtlinge vor Krieg und kriegsähnlichen Zuständen fliehen, also vor ihrem Tod, fliehen Wirtschaftsflüchtlinge vor Wirtschaft und wirtschaftähnlichen Zuständen, also vor Arbeit. Aber das ist so ähnlich wie die Annahme, dass Hundekuchen Hunde enthielte.

In Wirklichkeit fliehen Wirtschaftsflüchtlinge vor Armut. Jemand (denken wir uns einen jungen Mann) stellt fest, dass er in seinem Heimatland und seinem erlernten Beruf keine gescheite Arbeit findet. Anstatt sich weiter mit Hilfsarbeiten durchzuschlagen, versucht er sein Glück in diesem unseren Lande, wo dieser Beruf tatsächlich gefragt wird. So weit, so nachvollziehbar und sicher legitim. Ein solcher junger Mann wird „Wirtschaftsflüchtling“ genannt, aber es wird von einigen so getan, als wäre das die elfte ägyptische Plage.

Jetzt könnte man sich natürlich auf den Standpunkt stellen, dass gerade eine Fuhre Kriegsflüchtlinge (Männer, Frauen und Kinder) angekommen sind, die dieselbe Arbeit nicht für ’nen Appel und ’n Ei machen, sondern nur für das Ei, und der Wirtschaftsflüchtling daher erst Arbeit kriegt, wenn die ganzen Kriegsflüchtlinge in Lohn und Brot oder wenigstens nur Brot gesetzt werden. Oder man stellt sich auf dem Standpunkt, dass erschossen zu werden schlimmer ist als einfach kein Geld zu verdienen, und daher die Kriegsflüchtlinge Priorität haben. Das ist so ähnlich, als würde man sagen, im Krankenhaus werden die nicht-dringenden Fälle erst behandelt, wenn die Notfälle Kapazitäten freilassen. Das heißt nicht, dass die Nicht-Notfälle keine tödlichen Krankheiten haben können, es dauert bloß länger, bis sie daran sterben. So wie ein erfrorener Obdachloser genauso tot ist wie jemand, der an einem Bombentreffer stirbt.

Hinzu kommt, dass es in manchen Ländern nicht so ist, dass Leute nur konjunkturbedingt keinen Job kriegen, sondern, weil ihre Ethnie, Religion, politische Partei oder sexuelle Orientierung in ihrem Heimatland extrem benachteiligt wird, womit wir beim Thema Verfolgung sind. Der Übergang „Wirtschafts-“ und „Kriegsflüchtling“ ist z.T. fließend.

Aber gut, selbst wenn man Wirtschaftsflüchtlinge als nicht so hilfsbedürftig wie Kriegsflüchtlinge einstuft, warum sollte aus „nicht so hilfsbedürftig“ „verachtenswert“ werden? Werden auch Patienten mit heilbaren, nicht-tödlichen Krankheiten verachtet, weil sie nicht mit Blaulicht in die Notaufnahme kommen? Eher nein. Der Hauptunterschied dürfte sein, dass manche Menschen nichts gegen Kranke haben, aber gegen Ausländer. Deshalb wird es eher wenig bringen, „Wirtschaftsflüchtlinge“ in „Armutsflüchtlinge“ umzubenennen.

Wie wir neulich erfahren haben, sind die allerschlimmsten Ausländer „fußballspielende, ministrierende Senegalesen“. Protestantische Krankenhausärzte aus Nigeria gehen noch, die gehen bestimmt von alleine (ist klar), aber die Senegalesen, das sind Wirtschaftsflüchtlinge. Und Katholiken warten ja nur darauf, einen Kreuzzug gegen den IS und/oder Boko Haram zu führen. Und wenn man sieht, was Männer in Deutschland so als Topfußballer verdienen können, denkt Scheuer vllt. wirklich, die fliehen vor richtiger Arbeit…

Rassisten! Scheuer ist eine Schande für Eure ganze Rasse, äh Art, ähh Unterart! Wer so viele Vorurteile und Klischees in einem Halbsatz zusammenkondensiert, der senkt im Alleingang euren Durchschnitts-IQ signifikant! Also, meint ihr echt, der dürfte sich vermehren dürfen?

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